Narziss ohne Gold
Der Bochumer Iwanow ist die Sanftheit in Person. Ganz zu Anfang sitzt er still auf einem Stuhl, ein ungelesenes Buch in der Hand, fast eine Karteileiche im Club der toten Dichter. Jungenhaft trotz ergrauender Haare, feingliedrig, kein Arbeiter, sondern ein sensibler Grübler.
Die gute, jedoch bewusst nachlässig gehandhabte Garderobe zeugt von einer Eitelkeit der besonderen Art: Natürlich könnte er etwas aus sich machen, aber wozu? Als sein Verwalter Borkin sich zu ihm gesellt, verwandelt Jens Harzers Iwanow sich geradezu in einen Kater, schnurrt dem polternden Thomas Dannemann lächelnd ums Bein und weicht doch scheu aus, sobald dieser ihn packen will.
Ganz anders der Hamburger Ivanov. Ein überforderter Macher kurz vor oder nach dem Burnout, hemdsärmelig, kompakt, voller Energie, die allerdings nur noch verzweifelt ins Leere läuft. Dieser Ivanov trägt einen grauen Nullachtfuffzehn-Anzug und ist auch sonst dabei, langsam unsichtbar zu werden. Anfangs strampelt er noch gegen die eigenen Lustlosigkeit an, überhaupt ist der Körper noch längst nicht so matt wie der Geist. Doch Devid Striesows Iwanow lässt sich links und rechts überholen, sei es von Lina Beckmanns heiratslustiger Witwe ...
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Theater heute März 2020
Rubrik: Aufführungen, Seite 21
von Eva Behrendt
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