Nachrufe auf Ingmar Bergman, Mark Weil und Dietmar N. Schmidt
Der Theatermacher
Einige aufregende Jahre lang hatten Münchens Theaterfreunde Grund, den Stockholmer Steuerfahndern dankbar zu sein. Im Februar 1976 floh der damals schon weltberühmte Schauspielregisseur und Filmschöpfer vor dem rabiaten schwedischen Fiskus nach Deutschland, zum Münchner Residenztheater. In seiner Heimat war er während einer Theaterprobe wegen Steuerhinterziehung verhaftet und angeklagt worden.
Für den damaligen, krisengeschüttelten Residenztheater-Chef Kurt Meisel, dem Bergman das Leben keineswegs leichtmachte, bedeutete die tätige Anwesenheit eines Regisseurs von solchem Kaliber – der mannigfache Oscars «für fremdsprachige Filme» sein eigen nannte – einen Erfolg, der allen damaligen Gegnern Meisels den Mund verschloss. Hatte nicht sogar Woody Allen neidlos bekannt, Bergman sei der größte, tiefsinnigste Filmschöpfer der Gegenwart?
Nicht alle Bergman-Darbietungen seines Münchner Jahrfünfts gelangen gleichermaßen. In Strindbergs «Traumspiel» kam die surrealistische Komponente ein wenig zu kurz. Tschechows «Drei Schwestern» litten darunter, dass sich die poetische Atmosphäre nur gebrochen darstellte. Vielleicht, weil Bergman zu viel Deutsch konnte, um sich helfen zu ...
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Das erste Mal begegnete ich Ulrich Mühe persönlich am späten Abend des 3. November 1989, am Tag vor der großen Demonstration der «Theaterschaffenden» in der DDR-Hauptstadt, die schließlich mit dazu beitrug, dass sechs Tage später die Mauer fiel.
Natürlich hatte ich ihn oft auf der Bühne gesehen – im «Macbeth», im «Egmont», in «Gespenster», zuletzt in Heiner Müllers...
Theater heute Das Theater hat sich verändert und fordert mehr Flexibilität von seinen Schauspielern. Einerseits in Richtung Performance und soziokulturelle Verantwortung, andererseits in Richtung Film und Fernsehen. Ulrich Matthes, entspricht das auch Ihrer Berufserfahrung? Hat sich überhaupt so viel verändert?
Ulrich Matthes Ich bin ja geradezu ein Paradepferdchen...
Andres Müry Die Merteuil in Heiner Müllers «Quartett» in Salzburg ist Ihre erste deutsche Theaterrolle seit 1983. Wie fühlt sich das nach einer Pause von 24 Jahren an?
Barbara Sukowa Gut. Ein bisschen Angst hatte ich ja schon. Man weiß, dass inzwischen viel passiert ist, und denkt, oh Gott, vielleicht komme ich aus einer anderen Welt. Vielleicht hab ich den...
