Nachrufe auf Ingmar Bergman, Mark Weil und Dietmar N. Schmidt
Der Theatermacher
Einige aufregende Jahre lang hatten Münchens Theaterfreunde Grund, den Stockholmer Steuerfahndern dankbar zu sein. Im Februar 1976 floh der damals schon weltberühmte Schauspielregisseur und Filmschöpfer vor dem rabiaten schwedischen Fiskus nach Deutschland, zum Münchner Residenztheater. In seiner Heimat war er während einer Theaterprobe wegen Steuerhinterziehung verhaftet und angeklagt worden.
Für den damaligen, krisengeschüttelten Residenztheater-Chef Kurt Meisel, dem Bergman das Leben keineswegs leichtmachte, bedeutete die tätige Anwesenheit eines Regisseurs von solchem Kaliber – der mannigfache Oscars «für fremdsprachige Filme» sein eigen nannte – einen Erfolg, der allen damaligen Gegnern Meisels den Mund verschloss. Hatte nicht sogar Woody Allen neidlos bekannt, Bergman sei der größte, tiefsinnigste Filmschöpfer der Gegenwart?
Nicht alle Bergman-Darbietungen seines Münchner Jahrfünfts gelangen gleichermaßen. In Strindbergs «Traumspiel» kam die surrealistische Komponente ein wenig zu kurz. Tschechows «Drei Schwestern» litten darunter, dass sich die poetische Atmosphäre nur gebrochen darstellte. Vielleicht, weil Bergman zu viel Deutsch konnte, um sich helfen zu ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Es sind die letzten Sätze in Heiner Müllers «Hamletmaschine»: «Es lebe der Hass, die Verachtung, der Aufstand, der Tod. Wenn sie mit Fleischermessern durch eure Schlafzimmer gehen, werdet ihr die Wahrheit wissen.» Und Dimiter Gotscheff, unverbrüchlich treuer Müller-Knappe des deutschen Theaters, implantierte sie wie ein Motto sowohl in Ben Jonsons «Volpone» in...
Die Chauvinisten sind unter uns. Lackbeschuht schlurfen sie übers Parkett aus rostblutenden Planken, die einer von ihnen wohl in einem Testosteronanfall aus seinem Schiff gebrochen hat. Schließlich ist das hier eine Männerwelt. Und da ist kein Platz für diese Gestalt, die mit strähnigem Haar und knittrigem weißen Frackhemd wie ein eingesperrtes Tier hin- und...
Weiß wie Kunstschnee, rot wie Theaterblut, schwarz wie die Black-Metal-Kluft – ein kaltes Märchen bringt die junge französische Regisseurin, bildende Künstlerin und Puppenmacherin Gisèle Vienne mit zum Berliner Festival «Tanz im August». In Frankreich ist die 31-Jährige gut im Geschäft, 2005 war sie mit zwei Produktionen nach Avignon eingeladen. Hier wird sie als...
