Nachruf: Luftgeist mit Würde
Silvia Fenz schien sich ausschließlich von Luft und Liebe zu ernähren, so zart und klein sah sie aus. Dabei hatte ihr die Liebe persönlich gar nicht so viel Glück gebracht. Seit ich sie kennengelernt hatte, vor mehr als 20 Jahren, war sie auf der Suche nach ihr und hat sie, die einmal Verlorengegangene, doch nie so richtig wiedergefunden. Vielleicht inhalierte sie auch deswegen die Luft am liebsten vermischt mit etwas Tabakqualm.
«Ich habe keinen Mann, dafür aber meine Zigaretten», sagte sie, als sie schon längst nicht mehr rauchen durfte, und angelte sich dabei eine dieser dünnen Damenzigaretten aus ihrem silbernen Etui, die sie sich formvollendet ansteckte. So oft hat sie das wiederholt, dass sie, die sonst keine Laster hatte (sieht man von dem einen oder anderen Jil-Sander-Teilchen einmal ab), schließlich nicht mehr zu Atem gekommen ist. Und so kann man vielleicht sagen, dass die Liebe, die der Motor all ihren Seins und Schaffens war, ihr schließlich die Luft zum Leben geraubt hat.
So leicht war sie, dass ihr Federgewicht die Schauspielerkollegen auf Proben immer wieder dazu anregte, sie wie eine Staubmaus durch die Luft zu wirbeln. Und so sehe ich sie vor mir, wie sie mit der ...
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Theater heute August/September 2016
Rubrik: Magazin, Seite 79
von Stefan Bachmann
Ein Bild wie aus der «Vogue»: Eine hohe schwarze Lackwand mit vier türähnlichen Schlitzen, die das hindurchfallende Licht zerschneiden. In einem liegt dekorativ eine Frau, den Kopf nach hinten zum Publikum geneigt, ihr wallendes rotes Haar berührt den Boden. Fluchend kämpft sie sich aus ihrer Position, lacht hexenartig und böse. Eine kurze Entgleisung der ansonsten...
Nach 14 Tagen sackte der artivistische Riesenballon, den das Zentrum für Politische Schönheit mit der zartfühlenden Aufschrift «Flüchtlinge fressen» in einer «Bundeserpressungskonferenz» aufgeblasen hatte, schlaff in sich zusammen: Kein Flüchtling wurde gefressen, und kein Syrer gelangte an Bord der «Joachim 1» von Izmir nach Berlin Tegel. Denn beides hatte das...
Die meist älteren Damen und Herren des Publikums hatten es sich im gedämpften Deko-Klassizismus des oberen DT-Foyers bequem gemacht, der Hausherr Ulrich Khuon sprach zur Eröffnung vom Theater, in dem es auf jeden Fall ums Ganze, mindestens aber den ganzen Mensch und die ganze Welt gehe, und alles wartete nur noch gespannt auf die obligatorische...
