Was hat das mit mir zu tun?
Oliver Frljic ist ein zorniger Mann. Der Intendant des kroatischen Nationaltheaters in Rijeka hat keine Scheu, auf dem Theater unpopuläre Positionen zu beziehen: In «Aleksandra Zec» zum Beispiel thematisiert er die im postjugoslawischen Kroatien schnell verdrängten Greueltaten an den Serben (hier: an einem 12-jährigen Mädchen und ihren Eltern); er kassiert für solche und ähnliche Projekte in seiner Heimat Todesdrohungen.
Für die Auftragsarbeit «Balkan macht frei» (2015) am Münchner Residenztheater lieferte Frljic keinen blutigen Stoff aus der jüngsten Geschichte seines Landes, sondern verhandelt die Kluft zwischen dem reichen, satten westeuropäischen Theaterbetrieb und dem 40-jährigen Regisseur vom «Balkan», der seinen Zorn nicht kaufen lassen will und seine Widersprüche in einer drastischen Folterszene demonstriert.
Sex im Hijab
Auch unter Frljics «Nase nasilje i vase nasilje» («Unsere Gewalt und eure Gewalt») – einer vom Berliner Hebbel am Ufer in Auftrag gegebenen Inszenierung zur Peter-Weiss-Reihe «Ästhetik des Widerstands» im September, die aber schon bei den koproduzierenden Wiener Festwochen herauskam – brodelt es gewaltig. Vor einer Wand aus 95 Ölkanistern (Bühne: Igor ...
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Theater heute August/September 2016
Rubrik: Aufführungen/Neue Stücke, Seite 6
von Eva Behrendt
«Meide die Popkultur», riet der Lieder- und Theatermacher PeterLicht einst, «die Popkultur ist nicht gut für uns.» Und der Sänger hatte Recht: Die Popkultur ist eine Fabrik, die Talente einsaugt und Wracks ausspuckt. Zumindest beschreibt Joey Goebel den Komplex in seinem Roman «Torture the Artist» (auf Deutsch 2005 als «Vincent» erschienen) so: Der Held wird als...
Ein schmaler Junge eilt entschlossen einer ungewissen Zukunft entgegen. Sein Ziel liegt in Finsternis, unerreichbar womöglich, aber was stört das einen, der die Lederjacke so offen und die Mundwinkel so rebellisch verschlossen trägt. Dass er seinem Gestus der Siebenmeilen-Slowmotion zum Trotz auf der Großen Bühne des Theaters Basel praktisch auf der Stelle...
Nach 14 Tagen sackte der artivistische Riesenballon, den das Zentrum für Politische Schönheit mit der zartfühlenden Aufschrift «Flüchtlinge fressen» in einer «Bundeserpressungskonferenz» aufgeblasen hatte, schlaff in sich zusammen: Kein Flüchtling wurde gefressen, und kein Syrer gelangte an Bord der «Joachim 1» von Izmir nach Berlin Tegel. Denn beides hatte das...
