Nachklänge des Erlebens
In seiner «Hamburgischen Dramaturgie» schreibt Lessing: «Madame Henseln starb ungemein anständig; in der malerischen Stellung; und besonders hat mich ein Zug außerordentlich überrascht. Es ist eine Bemerkung an Sterbenden, dass sie mit den Fingern an ihren Kleidern oder Bette zu zupfen anfangen. Diese Bemerkung machte sie sich auf die glücklichste Art zu Nutze.
In dem Augenblicke, da die Seele von ihr wich, äußerte sich auf einmal, aber nur in den Fingern des erstarrten Armes ein gelinder Spasmus; sie kniff den Rock, der um ein wenig erhoben ward und gleich wieder sank: das letzte Aufflackern eines verlöschenden Lichts; der jüngste Strahl einer untergehenden Sonne.»
Solche Feinheiten des Spiels einer Schauspielerin sehen und auf dem Foto, das sie aufnimmt, sichtbar zu machen, zeichnet die Theaterfotografien von Ruth Walz aus. «Theater im Sucher» nennt sie ihre Bilder in der Ausstellung der Kunstbibliothek der Staatlichen Museen zu Berlin, die noch bis zum 13. Februar 2022 im Kaisersaal des Museums für Fotografie in der Jebenstraße am Bahnhof Zoo präsentiert werden. Der die Ausstellung wundervoll dokumentierende Katalog ist, herausgegeben von Thomas Ladenburger und Hanns Zischler, ...
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Theater heute Januar 2022
Rubrik: Magazin, Seite 70
von Klaus Völker
«Ich bin so wenig Schauspieler, wie Sie Journalist sind», sagt Lars Eidinger, und was hier gedanklich hübsch verdreht daherkommt, ist tatsächlich die Grundprämisse, mit der Eidinger die Hamburger Kunsthalle bespielt. Als Fotograf und Videokünstler, nicht als Theater-, Film- und Fernsehstar. «Ich fotografiere schon mein gesamtes Leben, seit 1982 beschäftige ich mich...
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