Mythos und Geschichte
Was für eine Familie. Der Ur-Opa war ein mittlerer Massenmörder der SS und wurde beim Einmarsch der Roten Armee vor den Augen seiner Tochter auf Nimmerwiedersehen verschleppt, das Kind anschließend von einem Russen vergewaltigt. Lieblingssspruch der Mutter: «So etwas passiert in unserer Familie nicht.» Die Traumata aus dem Krieg lassen auch danach keine rechte Lebensfreude aufkommen. Enkel Frank wächst lieblos auf, seine einzige Freundin wird beim Indianerspiel an der Grenze erschossen. Urenkelin Franziska ist arbeitslos, tablettensüchtig und ritzt sich Hakenkreuze.
Die Oma, nach deren Begräbnis man sich versammelt, war familienweit als Tyrannin gefürchtet, Onkel Wolfgang ist immerhin sympathisch dement. Die erste zaghafte Wärmestrahlung kommt ganz zum Schluss auf, wenn sich Vater und Tochter bei einer Tasse Kaffee versöhnen, nachdem der Schauspieler-Papa seine Stasi-Mitarbeit gestanden hat.
Sören Hornung hat in schnellen Schnitten und unter Zuhilfenahme einer Erzählerfigur eine ostdeutsche Familiengeschichte von 1945 bis heute skizziert, voller Rückblenden, Geständnisse und vager Andeutungen. Abgerissene Sätze stehen im Wind der Zeitläufte, das Märchen vom bösen Wolf und den ...
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Theater heute Juli 2018
Rubrik: Aufführungen, Seite 15
von Franz Wille
Das Hamburger Produktionshaus Kampnagel hat ein Herz für marginalisierte Theaterformen: Postmigrantisches Theater passt in die Kampnagel-Praxis der queeren Performance ebenso wie inklusives Theater. Marginalisiert ist auch Kinder- und Jugendtheater. Jeder weiß, dass man es braucht, um eine jüngere Generation an die Darstellende Kunst heranzuführen, dennoch wird es...
Über 150 ermordete Künstler in nur einem Jahr, und kaum einer weiß noch davon: Es ist ein «Museum des Vergessens», in das zwei junge georgische Theatermacher, der Regisseur Data Tavadze und der Autor Davit Gabunia, mit ihrem Stück «Tiger und Löwe» führen. Thema ist der stalinistische Terror in Georgien im Jahr 1937, als der gefürchtete Geheimdienstchef Lawrenti...
Bonn, Theater
5. Projekt, Giraffentheater
R. Nadine Schwitter (Jugendclub)
Düsseldorf, Schauspielhaus
15. Kaczmarczyk, Boys don’t cry and girls just want to have fun (U)
R. André Kaczmarczyk
Duisburg, Theater
9. nach Shakespeare, Love is not Love
R. Tim Zielke (Jugendclub)
Esslingen, theater
7. Preußler, Hörbe mit seinem Freund Zwottel
R. Jonas Weber
Heilbronn,...
