Mutterseelenallein
Am 6. Februar 2017 betritt Christine nachmittags einen Supermarkt. Neun Monate war sie trocken. Bei dem Versuch, eine Flasche Wodka aus dem Getränkeregal zu holen, stirbt sie an einer Gehirnblutung. Im Moment ihres Todes lässt Christine ihr Leben Revue passieren. Aufgewachsen in einer Kleinstadt in der nordenglischen Provinz, träumte sie davon, Rudolf Nurejew zu sein oder eine Trapezkünstlerin zu werden. Als sie zwölf Jahre alt war, verließ ihre Mutter die Familie. Um das Gefühl zu vertreiben, nicht dazu zu gehören, begann sie als Jugendliche mit dem Trinken.
Mit siebzehn verliebte sie sich, bekam Jess, ihr erstes Kind, und wurde verlassen. Mit neunzehn heiratete sie Bernhard, den sie nicht liebte, der aber gut zu ihrer Tochter Jess war, und bekam zwei weitere Kinder mit ihm, Ashe und Steven. Als ihre Kinder größer wurden, fing sie erneut an zu trinken. Die Alkoholsucht blieb ihr ständiger Begleiter.
Während Christine stirbt, trifft sich ihr Ehemann Bernhard mit seiner Geliebten Michaela und deren Freundin Emma zum Sex in einem Hotel. Ihre älteste Tochter Jess, eine Volksschullehrerin, wacht nach einer durchzechten Nacht neben einem Fremden auf und beginnt, sich in ihn zu ...
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Theater heute Jahrbuch 2021
Rubrik: Neue Stücke, Seite 157
von Ingoh Brux
«Über die Fiktion der Kunst lernen wir die Welt besser zu verstehen.»
Xenia Hausner
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