Münster: Mechanismen der Ausgrenzung
Der Prinz von Marokko ist in Shakespeares «Kaufmann von Venedig» der dritte Heiratskandidat, der sich vor der schönen und reichen Portia zum Affen macht. Nach dem Prinz von Hannover (Ilja Harjes als Ernst-August-Parodie mit ausgepolstertem Arsch in zu engen Jeans) und dem Prinz aus Kasachstan (Garry Fischmann nackt unter Fellmütze und -weste) tritt Zainab Alsawah in einer braunen Dschellabah zum bescheuerten Kästchentest an und bricht angesichts des frühneuzeitlichen Bachelor-Games in einen arabischen Wutschwall aus.
Nach etwa drei Minuten ruft jemand aus dem Publikum: «Sprich gefälligst Deutsch!», «Ich versteh nichts!», kurz darauf fallen andere ein – wieder andere drehen sich
irritiert um und wollen sehen, wer da ruft. Manche protestieren gegen die Zwischenrufe.
Dank dieses inszenierten Tumults, der an den Abbruch des Kölner Konzerts des iranischen Cembalisten Mahan Esfahani vor zwei Jahren erinnert, hat Stefan Ottenis analytische Shakespeare-Deutung überregionale Aufmerksamkeit erlangt. Ob der Vergleich nicht hinke (das Kölner Publikum stieß sich vor allem an der Radikalität der Neuen Musik), ob die unterstellte Borniertheit der Münsteraner*innen (die bundesweit mit die geringste ...
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Theater heute April 2018
Rubrik: Chronik, Seite 59
von Eva Behrendt
Ich traf ihn – Wilfried Minks – in Berlin, wenige Tage vor der Premiere zu Hochhuths «Soldaten», er machte dort das Bühnenbild. Man hatte munkeln gehört, dass der Autor nicht gerade entzückt gewesen sei, als er bei den Proben zum ersten Mal Minks’ Bühne sah, er hatte sich, man kann das auf vielen Seiten Szenen-Beschreibung in der Buchausgabe nachlesen, alles viel...
Es ist eine sympathische Geste der Residenztheaterleitung, für diejenigen, die sich von den zeitgeist-geschliffenen well-made Plays im Spielplan nicht so recht angesprochen fühlen, eine gegenläufige Programmseitenlinie zu verfolgen, die mit offenem Blick von außen und ganz unterschiedlichen, häufig osteuropäischen Regiehandschriften eigene Akzente setzt und dabei...
Unmittelbar vor der Pause tanzt eine aus der Reihe: Kathleen Morgeneyer, zwei Stunden lang ein aufgekratztes Hühnchen auf der Suche nach ein bisschen Leidenschaft, nimmt sich ihren Auftritt, reißt sich den goldenen Lametta-Fummel vom Körper und tritt im roten Licht halbnackt an die Rampe, schwarze Troddeln an der Brust und tiefe Verzweiflung in der Stimme:...
