Film: Schwarzes Loch Heimat
In der Mitte des Films sagt einer der beiden immer wieder auftauchenden, stets zufrieden feixenden Herren im Anzug zum anderen: «Sie glauben, Sie können Vergangenheit so darstellen, wie sie wirklich war?» Der Angesprochene, gespielt vom ehemaligen Intendanten der Münchner Kammerspiele Johan Simons, trägt anlässlich eines Maskenballs kurz nach dem Zweiten Weltkrieg eine SS-Uniform und spricht mit stark niederländischem Akzent.
Schon zu Beginn des Films, als 1914 der ältere Seewirtssohn einberufen wird und fröhlich beschwipst mit einem Dutzend anderer Bauernlümmel in den Krieg zieht, hat Peter Brombacher, der andere Herr im Anzug, den damals noch nicht geborenen Heiner Müller zitiert: «In der Zeit des Verrats sind die Landschaften schön.»
Die Theateradaption seines 2011 erschienenen Romans «Mittelreich» hat Josef Bierbichler noch aus der Hand gegeben, die Verfilmung jedoch selbst übernommen, und zwar im umfassenden Sinn als Autor, Regisseur und Hauptdarsteller des Seewirtes Pankraz (sowie, aber das ist eher ein Nebenrolle, von dessen Vater). Es ist ein kantiger, anstrengender, lohnender Film geworden, der fast mehr noch als der Roman voller Zorn ist auf «das verfluchte Erbe, den ...
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Theater heute April 2018
Rubrik: Magazin, Seite 67
von Eva Behrendt
Der Frosch wartet auf eine Verabredung zum Quatschen. Der Eisbär kocht, und das Zebra denkt über die Innendekoration nach. Man könnte mal wieder streichen, «vielleicht in Gelb? Mal was anderes». Eine kleine Auffrischung würde dem Zimmerchen tatsächlich guttun mit seinem gerade so nicht mehr coolen, angebräunten 1950er Look samt Furnierholz und Pannesamtsofa....
Unmittelbar vor der Pause tanzt eine aus der Reihe: Kathleen Morgeneyer, zwei Stunden lang ein aufgekratztes Hühnchen auf der Suche nach ein bisschen Leidenschaft, nimmt sich ihren Auftritt, reißt sich den goldenen Lametta-Fummel vom Körper und tritt im roten Licht halbnackt an die Rampe, schwarze Troddeln an der Brust und tiefe Verzweiflung in der Stimme:...
Ein Schwein rast durch Brüssel. Es ist nicht sicher, ob es ein Einzelschwein ist oder eine ganze Herde, noch nicht einmal, ob es das Schwein wirklich gibt oder ob es nicht doch ein Phantomschwein ist. Aber es wirbelt Europas «Hauptstadt» im buchpreisgekrönten Roman von Robert Menasse gehörig auf – im Verbund mit einer Reihe weiterer mehr oder weniger durch- und...
