Bremen: Menschen im Nest
Die Tochter ist nicht glücklich mit ihrer neuen Heimat: Die Eltern, Deutschtürken der zweiten Generation, sind mit ihr wie jedes Jahr in den Ferien nach Adana in die Südtürkei gefahren, ins Eigenheim «in der Nähe einer Airbase», um ihr am letzten Urlaubstag zu eröffnen, dass es nicht zurück nach Deutschland gehen wird. Die Mutter macht eine Physiotherapiepraxis auf, der Vater will Solarpanele verkaufen, in Zeiten des Klimawandels ein vorgeblich sicheres Geschäftsmodell.
Fortan sumpft die Kleinfamilie in der Gated Community nahe des Luftwaffenstützpunkts Incirlik zwischen gelifteten Soldatenfrauen. Die Tochter nähert sich einem Piloten an, ununterbrochen werfen amerikanische Frachtflugzeuge Schatten auf die Siedlung, und an einer Bushaltestelle explodiert eine Bombe.
Akin Sipals «Ein Haus in der Nähe einer Airbase» basiert auf seinem zwei Jahre alten Filmessay «Baba Evi». Der Autor verknüpft hier das Motiv des Hauses mit der Konstruktion Familie, das gemeinsame Heim als steingewordenes Mahnmal einer brüchigen Solidargemeinschaft in Zeiten der Migrationsgesellschaft. «Das Haus meiner Väter in Adana ist ein generationenübergreifendes Friedensangebot», heißt es im Film. Im ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute April 2018
Rubrik: Chronik, Seite 54
von Falk Schreiber
Die U-Bahn ist der neue Underground. Jedenfalls in den jüngsten Bühnenbildern des serbischen Szenografen Aleksandar Denic, der Frank Castorf schon für sein Jahrhunderte überspannendes «Faust»-Paris den Eingang der Metrostation «Stalingrad» nachgebaut hat. Diesmal geht es auf der Bühne des Hamburger Schauspielhauses unterhalb eines riesigen «Camel»-Billboards in...
Rebekka Kricheldorfs «Fräulein Agnes» kritisiert sich mit Verve aus allen sozialen Zusammenhängen. Ibrahim Amirs «Homohalal» räumt mit allen Bessere-Menschen-Klischees im Zusammenhang mit der Flüchtlingskrise auf. Thomas Melles «Versetzung» zeigt, wie erstklassigem pädagogischen Personal die Wirklichkeit unter den Füßen verrutscht. In Maria Milisavljevics «Beben»...
In einer Regieanweisung zu Pirandellos bekanntestem Stück heißt es, man solle versuchen, dass die Personen, die den Autor suchen, nicht mit der Schauspieltruppe verwechselt werden können. Regisseur Moritz Sostmann hat sich dies offenbar sehr zu Herzen genommen. Er ersetzt die suchenden Personen allesamt durch Puppen, die von Puppenspielern geführt werden, und lässt...
