Mord bleibt Mord
Nicht gerade optimistisch für eine National -hymne: «Ruhm und Wille der Ukraine sind noch nicht tot», lauten die ersten Worte der ukrainischen Hymne, und ihr Titel: «Noch ist die Ukraine nicht gestorben». Das Lied kündet von «blutigen Schlachten», davon, sich für die Freiheit zu opfern, und vom Glauben an eine Zukunft, in der die Ukrainer:innen «niemandem erlauben, in unserem Heimatland zu herrschen». Verfasst wurde es 1862 als patriotisches Gedicht, in einer Zeit, die auf Wikipedia die Überschrift «Zwischen Polen-Litauen und Zarenreich Russland» trägt.
Was bedeutet es für die Identifika -tion einer Bevölkerung, wenn die Bedrohung durch annektionswütige Nachbarländer stets mitgedacht werden muss? Diese Frage setzen Autorin Tamara Trunova und Regisseur Stas Zhyrkov an den Beginn ihres Dramas «Die Orestie. Nach dem Krieg».
Als Antwort gibt es vom weiß gewandeten Agamemnon (Jürgen Sarkiss), der in Denkerpose zusammen mit einem Kind, vielleicht Orest, zwischen antiken Säulen sitzt, dann allerdings vor allem patriotische Stolz- und Durchhalte -parolen. Das ist etwas symptomatisch für diese Arbeit von Trunova und Zhyrkov, die im Jahr 2019 gemeinsam die Leitung des «Left Bank Theater» in ...
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Theater heute Mai 2024
Rubrik: Chronik, Seite 57
von Cornelia Fiedler
Fast den ganzen Abend haben die Schauspieler Daniel Lommatzsch und Sebastian Rudolph schon als stumme Edel -statisten in schwerer Feuerwehrmontur verbracht. Erst kurz vor Schluss dieser letzten eigenen Inszenierung des scheidenden Intendanten Nicolas Stemann am Schauspielhaus Zürich schälen sie sich aus den Uniformen, tragen Anzüge darunter, werden zu aalglatten...
4.5./SAMSTAG 20.15, 3sat:
Starke Stücke/ Theatertreffen: Laios
Mitschnitt der Inszenierung vom Deutschen Schauspielhaus Hamburg. «Laios» ist der zweite Teil des fünfteiligen Theatermarathons «Anthropolis» von Roland Schimmelpfennig, inszeniert von Karin Beier mit Lina Beckmann.
11.5./SAMSTAG 20.15, 3sat:
Starke Stücke/ Theatertreffen: Macbeth
Regisseur Johan Simons...
RAINALD GOETZ «Baracke»
Zurück in die Nuller Jahre. Wie war das damals eigentlich, als der Aufbruchselan der ersten rot-grünen Regierung sich in neolibera -len Reformen totlief, als der wohlstandsdumpfe Pragmatismus der Merkel-Zeit begann, in dessen Schatten die AfD-Stimmung heranwachsen konnte, als der NSU unter der Wahrnehmungsschwelle von Polizei und...
