Überraschungsgast Jesus
Steffen Link ist in einer freichristlichen Gemeinde aufgewachsen, die seine Eltern mitgegründet haben. Jetzt hat er darüber ein Stück geschrieben. Nach einigen in Co-Autorschaft entstandenen Projekten legt der 1989 geborene Schauspieler, Ensemblemitglied am Münchner Volkstheater, mit einem autofiktionalen Drama seinen Solo-Erstling als Autor vor. «Der Verein» hat etwas von einer Abrechnung: Rache ist süß.
Für Theresa Thomasbergers über weite Strecken hochkomische Uraufführungsinszenierung am Wiener Schauspielhaus, wo Link eine Zeitlang als Schauspieler engagiert war, hat Mirjam Schaal die Bühne als freundliche Hölle aus Hellholzwänden gestaltet. Links ein kleines Podium, auf dem erbauliche Lieder gesungen werden; rechts ein biederes Wohnzimmer mit Esstisch und Schrankwand. Darüber steht groß «Er ist auferstanden!» Mitten im Raum klafft ein mit Plane abgedecktes schwarzes Loch: Das muss die Hölle sein oder wenigstens das Fegefeuer.
Erzählt wird aus der Perspektive von Stefan (Maximilian Thienen), der als Erzähler/Moderator durch ein Stück führt, in dem Szenen aus seiner eigenen Jugend ausgebreitet werden. Wir sehen, wie der junge Stefan (Tala Al-Deen) von den Geschwistern als ...
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Theater heute Mai 2024
Rubrik: Chronik, Seite 62
von Wolfgang Kralicek
RAINALD GOETZ «Baracke»
Zurück in die Nuller Jahre. Wie war das damals eigentlich, als der Aufbruchselan der ersten rot-grünen Regierung sich in neolibera -len Reformen totlief, als der wohlstandsdumpfe Pragmatismus der Merkel-Zeit begann, in dessen Schatten die AfD-Stimmung heranwachsen konnte, als der NSU unter der Wahrnehmungsschwelle von Polizei und...
In ihrer Version des «Don Carlos» berufen Felicitas Brucker und Arved Schultze sich auf ein Regiebuch, das Friedrich Schiller 1787 für den damaligen Direktor des Theaters in Riga erstellt hatte. In der baltischen Metropole stand nach Hamburg und Leipzig die Drittinszenierung des europäischen Königsdramas auf dem Spielplan. Im Jahr darauf folgten Frankfurt, Mannheim...
Schön ist schlimm, und schlimm ist schön.» Die Umwertung aller Werte steht am Anfang von Shakespeares Mörder -drama «Macbeth». Drei Hexen sprechen den seltsam symmetrischen Satz, den Johan Simons zum Konzept seiner Bochumer Inszenierung macht: Jens Harzer, Marina Galic und Stefan Hunstein stehen zu Anfang in schwarzen Smokings, Fliegen und weißen Hemden auf der...
