Moral als Fetisch

Shakespeare «Maß für Maß»

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Was tun, wenn das Leben nach dem Lustprinzip einen Sättigungsgrad erreicht hat, der jede Steigerung zur Mühsal werden lässt? Wenn Ausschweifung nur noch anstrengend ist und nicht einmal die Macht mehr müde Männer munter macht? Man könnte sich entspannt zurücklehnen und einfach abwarten, bis sich die Libido von selber wieder regt. Oder man inszeniert – um die erschöpfte Begierde künstlich anzufachen – ein perfides Rollenspiel, in dem alles, was bisher gefiel und erlaubt war, auf einmal bei Todesstrafe verboten ist.



Shakespeare lässt in seiner dark comedy «Maß für Maß» um scheinheilige Strenge und verkapptes Laster viele Rätsel offen, doch wenn Stefan Pucher, Meisterregisseur kalter Herzen unter glühender Oberfläche, etwas nicht interessiert, dann sind es bohrende Fragen nach einem Warum. Warum sich auf eine zwängende Logik festlegen? Warum Stellung beziehen zu heiklen Themen wie dem richtigen Regieren, wenn das «Wie?» so viele schillernde Facetten zulässt? Der dunkle Spiegel, den Shakespeare seinen Zeitgenossen vorhielt, ist zersprungen. Das suggeriert zumindest Chris Kondeks Anfangsvideobild auf dem Eisernen Vorhang der Münchner Kammerspiele, und auch im weiteren Verlauf des gerade ...

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Theater heute April 2009
Rubrik: Chronik, Seite 50
von Silvia Stammen

Vergriffen
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