Essenz der Seelenlage

Mauerschau Richtung Kontinent: Das Royal Court zeigt in seiner «Of the Wall Season» Marius von Mayenburgs «Der Stein»

Theater heute - Logo

Sechzig Jahre Bundesrepublik und zwanzig Jahre Mauerfall nimmt das Londoner Royal Court Theatre zum Anlass für einen Blick auf Deutschland und seine aktuelle dramatische Lage. In seiner «Off The Wall»- Minispielzeit zeigt es die Uraufführung von Mark Ravenhills Stück «Over There», das den Nachwirkungen der deutschen Teilung nachgeht, und die britische Erstaufführung von Marius von Mayenburgs «Der Stein», beide inszeniert von Royal Court Associate Ramin Gray und ausgestattet von Johannes Schütz.

Um dieses bilaterale Doppelpack herum bekommt der interessierte Londoner in fünf szenischen Lesungen eine Auswahl relativ frischer deutscher Stücke serviert: Dea Lohers «Das letzte Feuer», Anja Hillings «Schwarzes Tier Traurigkeit», Christoph Nussbaumeders «Mit dem Gurkenflieger in die Südsee», Philipp Löhles «Die Unsicherheit der Sachlage» und David Gieselmanns «Die Tauben».

Ramin Gray, der letztes Jahr Mayenburgs «Der Hässliche» mit einer guten Portion knochen­trockenen britischen Humors und minimalem szenischen Aufwand zu einem Lon­doner Kritiker- und Publikumshit machte, setzt auch bei «Der Stein» auf «keep it simple».

Das Inventar im weißen Kastenbühnenbild beschränkt sich auf drei ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute April 2009
Rubrik: Magazin, Seite 58
von Patricia Benecke

Vergriffen
Weitere Beiträge
Das Glück der Deutschen

Adolf Hitler war ein verschrobener Kerl, dem die Hände zitterten. Andreas Baader war ein ungehobelter Macho, der gern mit Pistolen fuchtelte. Claus Graf Stauffenberg war ein Aristokrat der Tat, der beinahe das Schicksal ausgebremst hätte. Die DDR war ein dekadentes Funktionärsregime, in dem Kunst nur der Anbahnung von Sex diente. Die DDR war ein Paradies mit...

Fukuyamas Handtasche

Was ist eigentlich aus dem «Ende der Geschichte» geworden? Dem amerikanischen Politikwissenschaftler Francis Fukuyama zufolge hat es bereits vor zwanzig Jahren stattgefunden, als sich der Weltgeist nach langem Ringen im Kalten Krieg schließlich für Kapitalismus und Demokratie entschied. Seither leben wir im Posthistoire – und haben vor allem Geschichte im Kopf.

Wenn...

Achtung, Rollatoren-Rowdys!

Wo Löhle drauf steht, kann auch Loriot drin sein. Im neuen Stück des hochproduktiven Wahl-Berliners geht ein frischgebackener Rentner seiner Gattin mit seiner neuen Dauerpräsenz gehörig auf die Nerven, was zu folgendem Dialog führt: «Was machst du da?» «Ich? Nix. Wieso?» «Ist dir langweilig?» «Wie kommst du darauf?» «Schau dir mal zu.» «Ich lümmle.» «Du lümmelst.»...