Momentaufnahmen des Scheiterns

Roland Schimmelpfennig «Vorher/Nachher»

Theater heute - Logo

Das Thema des Stücks ist letztendlich das Scheitern, Momente des Scheiterns groß aufgenommen.» So um­reißt Roland Schimmelpfennig den Inhalt seines 2002 von Jürgen Gosch am Hamburger Schauspielhaus urauf­geführten Stückes «Vorher/ Nachher». In 51 kurze Auftritte unterteilt, ist das Drama des gefragten mitteljungen Dramatikers ein Szenenkaleidoskop, das mehr als dreißig Figuren in ihrer Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft skizziert.

Die Figuren stecken in Entscheidungen, Veränderungen, Mo­mentaufnahmen – erleben und begeg­nen sich vor oder nach einem für sie signifikanten Ereignis.

Sie sind Stereotype allesamt, sind Männer oder Frauen «um die Dreißig», sind Tänzer, Nonnen, Handwerker, sind «aus der Bar», «aus Russland» oder einer «anderen Stadt». Sie streifen durch ein Hotel, einen unbestimmten Ort. Einige der Figuren begegnen sich wieder, manche verschwinden spurlos irgendwo, andere bleiben einfach allein. Keine leichte Aufgabe, aus dieser Bestandsaufnahme, aus diesem Menschensammelsurium, in dem die distanzierte dritte Person als Erzählform überwiegt, eine schlüssige Inszenierung zu bauen. 
Das Bühnenbild, das Sonja Kloevekorn und Eveline Havertz für Daniel Karaseks Kieler ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Juli 2006
Rubrik: Chronik, Seite 46
von Katrin Ullmann

Vergriffen
Weitere Beiträge
Bröckelnde Helden

Mit Helden ist das so eine Sache.
Ei­nerseits gilt das Verhältnis zu ihnen hierzulande als gespalten. Be­son­ders, wenn es sich um die germanische Variante dieses Rollenmodells handelt. Erschwerend kommt hinzu, dass die germanischen Sagen heute nicht mehr unbedingt zum Wissenskanon zählen. Oder weiß jemand etwa, wer Hildebrand und Hadubrand waren? Weiß jemand noch,...

Notizen

Transportschaden

Der Berliner Finanzsenator Thilo Sarrazin nutzte eine Diskussionsveranstaltung des Berliner Theatertreffens, um unter Verweis auf weiteren Spardruck die besonderen künstlerischen Potentiale der Hauptstadtkultur hervorzuheben: Man könne auch in einer Stadt ohne Theater leben, und wenn es denn unbedingt sein müsse, halt ein Bahnticket kaufen: «Wenn...

Schöne Weltnomadenkunst

Der israelische Künstler Absalon war ein Architekt der Isolation. Seine penibel weißen «Zellen» besaßen Bett, Schrank, Tisch, Stuhl, Mini-Küche, Hock-Klo und Neon-Licht, und wenn es ein Fenster gab, dann nur als Schlitz. Ob die Abschottung in diesen bewohn­baren Monaden erzwungen oder freiwillig sein sollte, Mönchsklause oder Isolationshaft, ließ Absalon offen....