Im Wärmestrom der Empathie

Conor McPherson «Shining City»

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Es ist ein kleines Juwel, dieses aus klassischen fünf Akten bestehende Drama «Shining City» des 1971 gebo­renen Iren Conor McPherson. Dabei macht es gar nicht viel von sich her. Zwei Haupt- und zwei Episodenfiguren begegnen sich nach und nach in einer Dachgeschosswohnung in Dub-lin, die dem vierzigjährigen Ian gehört. Dieser Ian, ein sanfter, sympathischer Mann, ist, wie sich herausstellt, ein Ex-Priester und versucht sich inzwischen, noch nicht sehr weitgehend professionalisiert, als Verhaltenstherapeut.

Sein (einziger?) Klient ist John, ein Mann in den Fünfzigern, dem, wie er erzählt, nach dem Unfalltod seiner Frau eben diese Verstorbene zweimal «erschienen» ist.
Aber auch von der im Stücktitel angekündigten Spökenkiekerei macht McPherson, abgesehen von einer grellen Schlusspointe, wenig Aufhebens. Von den Geistererscheinungen wird berichtet wie von einem merkwürdigen Phänomen, das den Betroffenen ein wenig aus der Fassung und gehörig zum Nachdenken bringt, dem man sich aber tapfer stellen muss und kann: ein vorwiegend therapeutisches Problem. Eine Schachtel Kleenex-Tücher und Ians behutsame Einwürfe helfen dem konfusen John langsam, aber sicher wieder auf die Beine. Nach etwa ...

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Theater heute Juli 2006
Rubrik: Chronik, Seite 43
von Martin Krumbholz

Vergriffen
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