Im Wärmestrom der Empathie

Conor McPherson «Shining City»

Theater heute - Logo

Es ist ein kleines Juwel, dieses aus klassischen fünf Akten bestehende Drama «Shining City» des 1971 gebo­renen Iren Conor McPherson. Dabei macht es gar nicht viel von sich her. Zwei Haupt- und zwei Episodenfiguren begegnen sich nach und nach in einer Dachgeschosswohnung in Dub-lin, die dem vierzigjährigen Ian gehört. Dieser Ian, ein sanfter, sympathischer Mann, ist, wie sich herausstellt, ein Ex-Priester und versucht sich inzwischen, noch nicht sehr weitgehend professionalisiert, als Verhaltenstherapeut.

Sein (einziger?) Klient ist John, ein Mann in den Fünfzigern, dem, wie er erzählt, nach dem Unfalltod seiner Frau eben diese Verstorbene zweimal «erschienen» ist.
Aber auch von der im Stücktitel angekündigten Spökenkiekerei macht McPherson, abgesehen von einer grellen Schlusspointe, wenig Aufhebens. Von den Geistererscheinungen wird berichtet wie von einem merkwürdigen Phänomen, das den Betroffenen ein wenig aus der Fassung und gehörig zum Nachdenken bringt, dem man sich aber tapfer stellen muss und kann: ein vorwiegend therapeutisches Problem. Eine Schachtel Kleenex-Tücher und Ians behutsame Einwürfe helfen dem konfusen John langsam, aber sicher wieder auf die Beine. Nach etwa ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Juli 2006
Rubrik: Chronik, Seite 43
von Martin Krumbholz

Vergriffen
Weitere Beiträge
Notizen

Transportschaden

Der Berliner Finanzsenator Thilo Sarrazin nutzte eine Diskussionsveranstaltung des Berliner Theatertreffens, um unter Verweis auf weiteren Spardruck die besonderen künstlerischen Potentiale der Hauptstadtkultur hervorzuheben: Man könne auch in einer Stadt ohne Theater leben, und wenn es denn unbedingt sein müsse, halt ein Bahnticket kaufen: «Wenn...

Die Sprungkraft des Toasters

Inzwischen hat auch Kaiser Franz bemerkt, dass etwas nicht stimmt. «Beim Fußball halten zu viele die Hand auf», hat Beckenbauer messerscharf erkannt. Alle seien verwickelt. Manager, Trainer, Prä­sidenten, Politiker: «Man sollte über die Grenze des Geldverdienens reden.» Er muss es ja wissen. Franz Beckenbauer verkörpert schließlich den deutschen Fußball in seiner...

Das Boot war leer

Das Meer ist unergründlich und end­los weit, tosend, wild und unberechenbar: auch in Jon Fosses Theater­stück «Sommertag». Auf drei dominan­ten Prospekten hat Monika Gora (Büh­ne) es eingefangen, auf denen die Grenze zwischen Horizont und Himmelswolken verwischt. Im Vordergrund ein paar weiße Bretter in schiefer Bahn und ein blaugraues, wellengemustertes Sofa. Der...