Im Wärmestrom der Empathie
Es ist ein kleines Juwel, dieses aus klassischen fünf Akten bestehende Drama «Shining City» des 1971 geborenen Iren Conor McPherson. Dabei macht es gar nicht viel von sich her. Zwei Haupt- und zwei Episodenfiguren begegnen sich nach und nach in einer Dachgeschosswohnung in Dub-lin, die dem vierzigjährigen Ian gehört. Dieser Ian, ein sanfter, sympathischer Mann, ist, wie sich herausstellt, ein Ex-Priester und versucht sich inzwischen, noch nicht sehr weitgehend professionalisiert, als Verhaltenstherapeut.
Sein (einziger?) Klient ist John, ein Mann in den Fünfzigern, dem, wie er erzählt, nach dem Unfalltod seiner Frau eben diese Verstorbene zweimal «erschienen» ist.
Aber auch von der im Stücktitel angekündigten Spökenkiekerei macht McPherson, abgesehen von einer grellen Schlusspointe, wenig Aufhebens. Von den Geistererscheinungen wird berichtet wie von einem merkwürdigen Phänomen, das den Betroffenen ein wenig aus der Fassung und gehörig zum Nachdenken bringt, dem man sich aber tapfer stellen muss und kann: ein vorwiegend therapeutisches Problem. Eine Schachtel Kleenex-Tücher und Ians behutsame Einwürfe helfen dem konfusen John langsam, aber sicher wieder auf die Beine. Nach etwa ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Kinder sind bekanntlich ein gelehriger Spiegel ihrer Umgebung. Ihre Fähigkeit zur Anpassung, selbst an die brutalsten Verhältnisse, ist gleichzeitig Überlebensstrategie und Verhängnis, wobei die Frage, ob etwas nützlich oder schädlich ist, notgedrungen der Unterscheidung, ob richtig oder falsch, vorangestellt wird. Dass ausgerechnet in Schwaben und Württemberg...
Der israelische Künstler Absalon war ein Architekt der Isolation. Seine penibel weißen «Zellen» besaßen Bett, Schrank, Tisch, Stuhl, Mini-Küche, Hock-Klo und Neon-Licht, und wenn es ein Fenster gab, dann nur als Schlitz. Ob die Abschottung in diesen bewohnbaren Monaden erzwungen oder freiwillig sein sollte, Mönchsklause oder Isolationshaft, ließ Absalon offen....
Indien ist aus Sicht vieler Deutscher ein Masala aus Ashram, Ayurveda und Analphabetenquote, oder auch aus Chaos, Kasten, Computerexperten, kurz: ein Gemisch der Ungleichzeitigkeit des Gleichzeitigen. Nicht nur die Entfernung sorgt für das Zerrbild: Indien ist ein ungeheuer komplexes Land mit fast einer Milliarde Menschen, knapp 20 offiziellen, angeblich 400...
