Ins Leben setzen
Das Teatro delle Albe aus Ravenna ist eine der ungewöhnlichsten Gruppen Italiens – seit über zwanzig Jahren erfinden sie immer wieder neue Formen und Spielmethoden, Texte und Töne. Sie machen experimentelles Theater jenseits jeweiliger Moden und Trends, ein energiegeladenes, hochprofessionelles Theater des Lebens, des Begehrens und der Reflexion.
Ihre berühmteste Aufführung «I Polacchi» haben sie seit neun Jahren im Repertoire und mittlerweile auf der halben Welt gezeigt, vom HAU in Berlin bis zum Museum of Contemporary Art in Chicago, vom Bitef-Festival in Belgrad bis zum mess-Festival in Sarajevo, beim Fadjr-Festival in Teheran, beim Dialog-Festival in Wroclaw und bei vielen anderen.
Superstar Ubu
«I Polacchi» ist eine Adaption der «Ubu»-Trilogie von Alfred Jarry, die das Museum Historiae Ubuniversalis zum Leben erweckt. Die Albe-Schauspieler Ermanna Montanari (Mutter Ubu), Mandiaye N’Diaye (Vater Ubu) und Maurizio Lupinelli (Bordur) zeigen gemeinsam mit einem Dutzend Schülern aus Ravenna (inzwischen in zweiter Generation), was im Nicht-Ort Polen geschieht, wenn der brutale Wunsch nach Macht und die verklemmte Gier nach Verehrung aufeinanderprallen. Aus den jugendlichen ...
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So sehen pubertäre Träume aus: Die eigene Mutter vor einer großen Menschenmenge bloßstellen mit bohrenden Fragen nach ihrer Kindheit im Nationalsozialismus; auf ein monströses Eisernes Kreuz steigen und mit gestrecktem Arm «Heil Hitler!» ins Volk brüllen; und schließlich mit der Macht des Mikrofons ausgestattet raunende Welt- und Selbsterklärungen an staunende...
Das polnische Theater hat sich nach 1989 lange Zeit als Raum der reinen Kunst bestimmt. Politische Fragen sollten anderswo diskutiert werden und das Theater, das in der lähmenden Zeit des Kriegsrechts gelitten hatte, in aller Ruhe seine Rolle im neuen Polen finden. Krystian Lupa stieg mit seinen oft vielstündigen Romanbearbeitungen zum überragenden Regisseur jener...
Das gibt es also: den geplanten Zufall. Nichts Beiläufigeres, Unangestrengteres, scheinbar Planloseres auf Erden und der Bühne als Ruedi Häusermanns stilles Geräuschetheater, Sinfonien aus Surren und Sirren, Gurren und Girren, Zirpen und Zupfen, als hätte sich ein freundlicher Tinnitus zum Weltgeräusch aufgeschwungen. Und doch liegt dem allen ein zweifellos...
