Mit und ohne Gegenstand
Tschechow-Inszenierungen kämpfen immer gegen die Atmosphäre, den elegischen Tschechow-Ton, die versteckte Symbolik der Dinge, den Samowar in der Ecke. Itay Tirans Inszenierung von «Onkel Wanja» im Schauspiel Köln gewinnt diesen Kampf souverän. Das Stück über die Perspektivlosigkeit der russischen Intelligenzia vor der Oktoberrevolution wird skelettiert. Übrig bleiben Beziehungen zwischen Menschen, zeitlos, ganz ohne Dinge. Das «Filigran der Atmosphäre aus Nuancen und suggestiven Details», das Gorki so bewunderte – weg damit.
Kein Samowar, keine Herbstrosen, keine Afrikakarte, kein Morphiumfläschchen, nur ein Messer, Gewitter und Regen.
Das Bühnenbild ist eine visuelle Großmetapher (Bühne und Kostüme Michael Sieberock-Serafimowitsch). Ein Quadrat, eingekapselt von einem flachen Graben, bestückt nur mit kahlen schwarzen Sitzquadern. In der Mitte steht ein Block, auf den alle steigen, wenn sie sich präsentieren wollen. Über dem Karree eine matt leuchtende Plastikplane als ein niedriges, hell schimmerndes Dach. Die Zuschauer:innen sitzen um diese Spielfläche herum auf vier Tribünen auf der Bühne des Depot 2, der kleineren Spielstätte des Schauspiels. So sind die Figuren nah am ...
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Theater heute Januar 2026
Rubrik: Chronik, Seite 60
von Gerhard Preußer
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