Mit und ohne Gegenstand

Tschechow «Onkel Wanja», Herbert Fritsch «Rabatz!» am Schauspiel Köln

Theater heute - Logo

Tschechow-Inszenierungen kämpfen immer gegen die Atmosphäre, den elegischen Tschechow-Ton, die versteckte Symbolik der Dinge, den Samowar in der Ecke. Itay Tirans Inszenierung von «Onkel Wanja» im Schauspiel Köln gewinnt diesen Kampf souverän. Das Stück über die Perspektivlosigkeit der russischen Intelligenzia vor der Oktoberrevolution wird skelettiert. Übrig bleiben Beziehungen zwischen Menschen, zeitlos, ganz ohne Dinge. Das «Filigran der Atmosphäre aus Nuancen und suggestiven Details», das Gorki so bewunderte – weg damit.

Kein Samowar, keine Herbstrosen, keine Afrikakarte, kein Morphiumfläschchen, nur ein Messer, Gewitter und Regen.

Das Bühnenbild ist eine visuelle Großmetapher (Bühne und Kostüme Michael Sieberock-Serafimowitsch). Ein Quadrat, eingekapselt von einem flachen Graben, bestückt nur mit kahlen schwarzen Sitzquadern. In der Mitte steht ein Block, auf den alle steigen, wenn sie sich präsentieren wollen. Über dem Karree eine matt leuchtende Plastikplane als ein niedriges, hell schimmerndes Dach. Die Zuschauer:innen sitzen um diese Spielfläche herum auf vier Tribünen auf der Bühne des Depot 2, der kleineren Spielstätte des Schauspiels. So sind die Figuren nah am ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Januar 2026
Rubrik: Chronik, Seite 60
von Gerhard Preußer

Weitere Beiträge
Ein fatales Signal

Theater heute Der neue Bundeskulturetat für 2026 ist mit 2,57 Milliarden Euro der höchste aller Zeiten, nur die Darstellende Kunst, besonders die Freien Gruppen, fallen neuerdings durch den Rost. Schon im letzten Jahr hatte Wolfram Weimers Vorgängerin Claudia Roth die für die internationalen Produktionshäuser vorgesehenen fünf Millionen Euro gestrichen, dann aber...

Kratzer in der Oberfläche

Gemeinsam. Energie. Austausch. Öffnung. Begegnung. Intendantenlieblingsworte wie diese kommen Felix Rothenhäusler in Freiburg schon recht flüssig über die Lippen. Den langen Marsch durch die städtischen Institutionen hat er hinter sich (Begegnung!), Zukunftsprojekte sind angestoßen (gemeinsam!), das Publikum wurde im Spielzeitheft mit einer beherzt...

Gesamtkunstwerk in Bruchstücken

Es ist nicht immer der große Wow-Effekt, der am längsten in Erinnerung bleibt. Wobei auch der seinen Reiz haben kann: Wenn sich in «Ocean Cage» von Tianzhuo Chen zur Eröffnung des Münchner Spielart Festivals 2025 alles um Wind und Walfang dreht und nach einer Stunde im immersiven Sturmgebraus – zwischen historischen Dokumentaraufnahmen der in -digenen Jagd auf...