Mit und ohne Gegenstand
Tschechow-Inszenierungen kämpfen immer gegen die Atmosphäre, den elegischen Tschechow-Ton, die versteckte Symbolik der Dinge, den Samowar in der Ecke. Itay Tirans Inszenierung von «Onkel Wanja» im Schauspiel Köln gewinnt diesen Kampf souverän. Das Stück über die Perspektivlosigkeit der russischen Intelligenzia vor der Oktoberrevolution wird skelettiert. Übrig bleiben Beziehungen zwischen Menschen, zeitlos, ganz ohne Dinge. Das «Filigran der Atmosphäre aus Nuancen und suggestiven Details», das Gorki so bewunderte – weg damit.
Kein Samowar, keine Herbstrosen, keine Afrikakarte, kein Morphiumfläschchen, nur ein Messer, Gewitter und Regen.
Das Bühnenbild ist eine visuelle Großmetapher (Bühne und Kostüme Michael Sieberock-Serafimowitsch). Ein Quadrat, eingekapselt von einem flachen Graben, bestückt nur mit kahlen schwarzen Sitzquadern. In der Mitte steht ein Block, auf den alle steigen, wenn sie sich präsentieren wollen. Über dem Karree eine matt leuchtende Plastikplane als ein niedriges, hell schimmerndes Dach. Die Zuschauer:innen sitzen um diese Spielfläche herum auf vier Tribünen auf der Bühne des Depot 2, der kleineren Spielstätte des Schauspiels. So sind die Figuren nah am ...
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Theater heute Januar 2026
Rubrik: Chronik, Seite 60
von Gerhard Preußer
Gemeinsam. Energie. Austausch. Öffnung. Begegnung. Intendantenlieblingsworte wie diese kommen Felix Rothenhäusler in Freiburg schon recht flüssig über die Lippen. Den langen Marsch durch die städtischen Institutionen hat er hinter sich (Begegnung!), Zukunftsprojekte sind angestoßen (gemeinsam!), das Publikum wurde im Spielzeitheft mit einer beherzt...
Es ist ein denkwürdiger Auftritt, den der südafrikanische Performance-Künstler Steven Cohen bei der 35. euro-scene in Leipzig hinlegt. Vor zwei Jahren war er schon einmal zu Gast in Leipzig, sein Auftritt im Schauspielhaus (mit «Put your heart under your feet ... and walk!») sorgte damals für Ohnmachtsanfälle, und seine kleinen Werke «Sphincterography» und «Deface»...
Das gelbe Taxi-Schild leuchtet im Halbdunkel des sechseckigen Bühnenraums. An den Wänden geben Straßenmarkierungen die Fahrtrichtung vor, in der Mitte sitzt das Publikum auf Drehstühlen, drum herum wird gespielt. Im Podium am Theater Ulm inszeniert Philipp Löhle mit «Taxi nach Drüben» die wahre Geschichte eines einfachen Mannes, der in die Mühle deutsch-deutscher...
