Partizipation: Tanz die Demokratie
Tanz kann bekanntlich Berge versetzen. Zumindest psychische, wie es anno 2007 Royston Maldoom in den pubertierenden Seelen großstädtischer Hauptschüler gelang, indem er sie in der Treptower Arena zum Tanzen von Strawinskys «Sacre du Printemps» brachte. Ein seitdem weithin kopiertes Prinzip.
Die potenziell heilende Kraft des Community Dance nutzte aber bereits in den 70er Jahren die Choreografin Anna Halprin in San Francisco: In der damals von Rassenunruhen erschütterten Stadt entdeckten sich die Bürger wieder als Gemeinschaft, später setzte Halprin ihre rituellen Kreistänze auch zur Stärkung von Krebs- und Aids-Patienten ein.
Um Gemeinschaft und eine Art von Heilung, mag es auch noch so esoterisch klingen, ging es auch der Kölner Choreografin Stefanie Thiersch bei ihrer zwölfstündigen Inszenierung «City Dance» in Köln, von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang. Thiersch arbeitet seit fast 20 Jahren mit ihrer international vernetzt arbeitenden Tanzkompanie Mouvoir sonst eher mit Clubmusik und Videokunst. Sie nutzte Idee und Methode der heute 95-jährigen Halprin, um einen Tanz-Weg durch die geschundene Stadt Köln zu bahnen mit ihren architektonischen Bausünden und Kriegswunden bis hin zum ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Ein kleiner großer Schauspieler. Ein Kraftkerl, kein Riese, kein Protz. Bullig und dabei doch behend. Ein Kantekopf, kein Stiernacken. Dennoch spürte man, dass er gern mit dem Kopf durch die Wand wollte. Ja, die Wand sicher gern auch mal mit Fleiß suchte, wenn sie sich nicht sogleich fand. Buschige Brauen, verwegen hoch gestruppte Igelhaare, mit den Jahren immer...
Im Heidelberger Theater ist die Zukunft noch nicht auf der Bühne angekommen, im Deutschen Theater Göttingen schon. Dort rollen alte Männer auf elektrischen Rollstühlen über die Bühne und werden von einer Pflegekraft versorgt, die auf einem selbstbalancierenden Elektroroller jongliert. Am Heidelberger Theater dagegen hat man erst gar nicht den Versuch unternommen,...
Von einem solchen Ariel können Theater nur träumen: Wenn Heini Koskinen in der Show «Mad in Finland» am Vertikaltuch auf und ab turnt, dann scheint sie nicht nur die Schwerkraft aufzuheben, sondern verleiht ihrer Choreografie mit ihrem koboldhaft androgynen Charisma etwas Magisches. Dass ihre Tücher schwarz und die Scheinwerfer eher schummrig eingestellt sind,...
