Mit Schleife
Den Deutschen sind zwei große Komponisten abhandengekommen. Georg Friedrich Händel annektierten die Engländer, nannten ihn George Frideric Handel. Und Jacob wurde in Paris zu Jacques Offenbach. Die Rückkehr beider ins Vaterland erfolgte nach ihrem Tod und über Umwege. Wobei Händel in der alten Heimat heute mehr gelitten ist als der Urvater der Operette. Ein Indiz: Auf deutschen Besetzungszetteln bleibt es beim französisierten Vornamen. Hélas. Nimmt man hinzu, was aus Anlass des 200.
Offenbach-Geburtstags deutsche Bühnen – seine sich ordentlich ins Zeug legende Geburtsstadt Köln ausgenommen – so bieten, schaut es wenig originell aus. Hier ein «König Karotte» (Hannover), dort eine «Prinzessin von Trapezunt» (Hildesheim) oder ein «Orpheus in der Unterwelt» (Bielefeld; Seite 20), doch ansonsten «Hoffmanns Erzählungen», «Hoffmanns Erzählungen», «Hoffmanns Erzählungen» (zum Beispiel in Karlsruhe; Seite 21). Kommt dieses Weltabschiedswerk, das nicht prototypisch für das eigentliche Metier des Wahl-Parisers steht, pflichtschuldigst auf den Plan der Jubiläumssaison, dann reicht der Elan wie an der Deutschen Oper Berlin manchmal nur zum Zukauf einer 15 Jahre alten Produktion von Laurent ...
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Opernwelt August 2019
Rubrik: Im Focus, Seite 22
von Götz Thieme
Christophe Slagmuylder ist kein Vertreter der Firma «Schall & Rauch». Der Intendant der Wiener Festwochen (bis 2025) gibt sich eher leise und unaufgeregt, übertreibt’s nicht mit Floskeltrompete und trendigem Kulturmanagersprech. Wobei der Belgier, der den vor einem Jahr vorzeitig zurückgetretenen Tomas Zierhofer-Kin quasi aus dem Stand ersetzen musste, die in den...
Über Geschmack soll man ja eigentlich nicht streiten. Aber der Buhrufer, der sich beim Premierenapplaus in der Mailänder Scala über den Dirigenten heiser brüllt, besitzt zweifellos einen merkwürdigen. Ist Michele Mariotti doch gelungen, was bei Giuseppe Verdis «I masnadieri» alles andere als einfach ist: dem eher selten gespielten Werk zumindest musikalisch eine...
Herr Vandenhouwe, wozu braucht man eigentlich Musikdramaturgen?
Wenn man zum Beispiel mit Schauspielregisseuren oder Choreografen arbeitet, die keine Erfahrung mit Oper haben, muss jemand da sein, der sie auf die Besonderheiten des Musiktheaters vorbereitet ...
Also Künstler wie Johan Simons, der zwar keine Noten liest, aber Beethovens «Fidelio», Wagners...
