Mit Schleife

Frankreich feiert Jacques Offenbach mit Premieren in Paris und Lyon: An der Opéra Comique wird «Madame Favart» zur musikalischen Entdeckung, an der Rhône überdeckt exaltierter Frohsinn die mörderischen Zwischentöne in «Barbe-Bleue»

Opernwelt - Logo

Den Deutschen sind zwei große Komponisten abhandengekommen. Georg Friedrich Händel annektierten die Engländer, nannten ihn George Frideric Handel. Und Jacob wurde in Paris zu Jacques Offenbach. Die Rückkehr beider ins Vaterland erfolgte nach ihrem Tod und über Umwege. Wobei Händel in der alten Heimat heute mehr gelitten ist als der Urvater der Operette. Ein Indiz: Auf deutschen Besetzungszetteln bleibt es beim französisierten Vornamen. Hélas. Nimmt man hinzu, was aus Anlass des 200.

Offenbach-Geburtstags deutsche Bühnen – seine sich ordentlich ins Zeug legende Geburtsstadt Köln ausgenommen – so bieten, schaut es wenig originell aus. Hier ein «König Karotte» (Hannover), dort eine «Prinzessin von Trapezunt» (Hildesheim) oder ein «Orpheus in der Unterwelt» (Bielefeld; Seite 20), doch ansonsten «Hoffmanns Erzählungen», «Hoffmanns Erzählungen», «Hoffmanns Erzählungen» (zum Beispiel in Karlsruhe; Seite 21). Kommt dieses Weltabschiedswerk, das nicht prototypisch für das eigentliche Metier des Wahl-Parisers steht, pflichtschuldigst auf den Plan der Jubiläumssaison, dann reicht der Elan wie an der Deutschen Oper Berlin manchmal nur zum Zukauf einer 15 Jahre alten Produktion von Laurent ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt August 2019
Rubrik: Im Focus, Seite 22
von Götz Thieme

Weitere Beiträge
Editorial August 2019

Die Geschichte stimmt nachdenklich, wenn nicht traurig. Doch der Titel eines wunderbaren Buches von Mirjam Pressler gibt Anlass zur Hoffnung: «Wenn das Glück kommt, muss man ihm einen Stuhl hinstellen». Etwas in dieser Art dürfte Ralf Waldschmidt empfunden haben, als er die Partitur jenes im Jahr 1900 vollendeten Stücks durchblätterte, das nach seiner späten...

Leichenschau

Seine berühmte Abhandlung «Jenseits des Lustprinzips», in der erstmals der Begriff des Todestriebs entwickelt wird, veröffentlichte Sigmund Freud 1920. Im gleichen Jahr kam das heute wieder oft gespielte Werk eines anderen Wieners auf die Welt: Erich Wolfgang Korngolds «Tote Stadt». Eine frappierende Parallele.  Die erfolgreichste Oper des frühreifen Komponisten...

Das zweite Leben

Als der Beifall im Osnabrücker Theater verklungen war, fragte man sich ungläubig: Dieser Komponist sollte vergessen, seine Oper «Guercœur» unbekannt und seit der postumen Uraufführung 1931 nie wieder gespielt worden sein? Gewiss, Albéric Magnard (1865-1914) war der Querkopf und Einzelgänger unter den französischen Musikern seiner Zeit, keiner Schule zugehörig,...