Mit den Körpern weiter denken
Stellt euch vor, ein Theater wird eröffnet und keiner darf hin! Gerade mal drei Wochen konnte Barbara Mundel ihr neues Haus bespielen, zunächst noch vor knapp 200 Zuschauern, dann sind per Dekret der bayerischen Staatsregierung nur noch 50 erlaubt – für Mundel ein Akt kompletter Willkür –, und seit dem 2. November setzt die bundesweite Komplettschließung erst einmal einen vorläufigen Schlusspunkt unter die aufkeimende Anfangseuphorie und alle Debatten um tadellos umgesetzte Hygienekonzepte.
Das aufmüpfige Motto der Spielzeit «Die Wirklichkeit nicht in Ruhe lassen» scheint zu einem Bumerang zu werden. Dabei wäre ein rundlaufender Start als Anknüpfung und Abgrenzung vom zuletzt höchst erfolgreichen Programm Matthias Lilienthals natürlich wichtig gewesen. Einfach ruhigstellen lässt sich die neue Crew jedoch nicht, zumal sich ohnehin vieles, angefangen von der Webpräsenz, noch im Um- und Aufbaustadium befindet. Dort lässt sich, wenn auch nicht immer auf den ersten Blick, bereits vieles entdecken, digitale Programmhefte beispielsweise oder die von Ensemblemitglied Wiebke Puls konzipierte Podcast-Serie «AmA ohne Maske», in der Schauspieler*innen mal ganz anders als in üblichen ...
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Theater heute Januar 2021
Rubrik: Start Münchner Kammerspiele, Seite 12
von Silvia Stammen
Der so genannte Lockdown war sicher eine der prägendsten Erfahrungen des Jahres 2020. Auch Theaterleute hat er so stark beeindruckt, dass sich in Leipzig die Bühnebildnerinnen Irina Schicketanz und Julia Nussbaumer für zwei sehr unterschiedliche Stoffe beide am Konzept des geschlossenen Raumes bedienen, wobei Schicketanz’ Modell eine Nummer radikaler ausfällt.
Nuss...
Wenn Königin Elisabeth von England ihre Lage zusammenfasst – Akt IV, 10. Auftritt –, stülpt sich Julia Windischbauer im Deutschen Theater Berlin einen großen Pappmaché-Nachbau ihres Kopfes über und ringt mit beiden Armen. Alle Mächte Europas sind gegen sie, ihre Herrschaft ist nur auf wackeliger «Volksgunst» gebaut, und dann wäre da auch noch diese Maria Stuart,...
«Warum hört ihr bei Corona der Wissenschaft zu, und beim Klimawandel nicht? Die Gefahr ist doch die gleiche: Es lauert der Tod. Nur für viel mehr Menschen», fragt die 18-jährige Lei, und der 13-jährige Kester legt nach: «Warum sollen wir für eine Zukunft lernen, wenn niemand etwas unternimmt, um diese Zukunft zu retten?» Riesige Projektionen junger...
