Mit dem Denken kommt das Fühlen
Da steht sie, als Professorengattin Jelena in Itay Tirans Inszenierung von «Onkel Wanja» am Schauspiel Köln. Trägt ein schwarzes Etuikleid, wiegt sich in ihren Pumps, umarmt sich selbst. Doch eine mädchenhafte, jugendliche Schönheit, wie Jelena sonst oft besetzt wird, ist sie nicht. Stattdessen umgibt die Schauspielerin Birgit Unterweger eine Aura von Reife, Eleganz, Sehnsucht, Melancholie. Eine Frau, die sich lieben lässt, ihre Reize ausspielt – und doch fast vergeht vor Langeweile und Überdruss. Etwas Verachtung ist auch dabei. Ein wenig spielen mit den Männern vor Ort.
Den einen küssen, den anderen manipulieren, Reaktionen austesten, es gibt ja sonst nichts zu tun. Und zugleich wissen, wie traurig das ist als einziger Lebensinhalt. Ich habe mich geradezu verliebt in diese komplexe Figur, in ihre vielen Schichten, psychologischen Abgründe und die Art, wie Birgit Unterweger sie mit wenigen Gesten und Blicken verkörpert, in ihrem Spiel das Leben miterzählt einer gestandenen Frau. Die mehr Durchblick hat als die anderen – und genau deshalb traurig ist. Eine Projektionsfläche, die darum weiß.
Und dann fegt sie ein paar Tage später als drogensüchtiger Filmstar Rebecca Latté über die ...
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Theater heute Juni 2026
Rubrik: Akteure, Seite 50
von Dorothea Marcus
KÖLN, MUSEUM LUDWIG
bis 2.8., Yayoi Kusama
Kusama (*1929, Matsumoto) zählt zu den bekanntesten Künstler:innen unserer Zeit. Ihre ikonischen Polka Dots, ihre Kürbisskulpturen und ihre verspiegelten Infinity Rooms sind ihrem Markenzeichen geworden. Die Ausstellung nimmt die Besucher:innen mit auf eine Reise durch Kusamas gesamtes Schaffen mit über 300 Arbeiten durch...
Rebecca an Sasha
Ich erinnere mich, wie ich für die Arbeit am Gorki nach Berlin zog. Der Kompass in mir funktionierte nicht mehr nach Norden oder Süden, egal wo ich war, zu dem Zeitpunkt in Tel Aviv, richtete sich die Nadel immer wieder in Berlins Mitte aus. Das Maxim Gorki Theater war zum «Gorki» geworden und die weiße Schrift auf dem schwarzen Hintergrund...
Theater heute Eigentlich wollten Sie als – pardon – ältere, weiße, mitteleuropäische Männer gar nicht mit uns über Theater der Welt in Chemnitz reden, sondern haben auf die neun internationalen Kurator:innen verwiesen, die das Programm verantworten. Das ließ sich aber organisatorisch nicht herstellen, also sind Sie freundlicherweise doch eingesprungen. Das Festival...
