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Matthias Pees: Ein Theaterschiff wird kommen!
Utopische Praxis liegt dem Theater (und vielen anderen, insbesondere kollektiven künstlerischen Prozessen) sicher näher als die Ausformulierung philosophischer und staatstheoretischer Konzepte. Wir sind keine Künstleraristokratien oder Philosophenstaaten, sondern Staats-, Stadt- und Welt-Labore, in denen einerseits alle Gegensätze und Pole ungebremst aufeinander knallen können, in denen die divergierenden Interessen sicht- und spürbar werden und einander unvermittelt und unvereinbar gegenüber stehen dürfen.
Und in denen andererseits Katharsis, Transformationen oder Dei ex machina in unterschiedlichster und oftmals höchst unerwarteter Weise Wendungen, Auflösungen, Versöhnungen, Koexistenzen, Untergänge und Neuanfänge hervorbringen.
Im Konjunktiv denken, empfiehlt Alexander Kluge. Tatsächlich eröffnet nichts mehr als die Kunst einen so unendlichen, fantastischen und zugleich konkreten Möglichkeitsraum, in dem sich Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, Zwischenzeiten, -welten und Kosmogonien, Lebende, Geister, Götter, Tote und Untote, ja sogar Kreaturen, Lemuren, Steine und Dinge, Wetterlagen und Himmelsrichtungen, Träume, Realitäten, Vorstellungen und Virtualitäten begegnen, ...
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Theater heute Jahrbuch 2017
Rubrik: Der ideale Staat, Seite 42
von Matthias Pees
Gerhart Hauptmanns Dramendebüt «Vor Sonnenaufgang» evoziert 1889 einen der größten Skandale der deutschen Theatergeschichte: Aus Gründen der Zensur findet die Uraufführung im Berliner Lessing Theater als geschlossene Veranstaltung statt und macht den erst 26-jährigen Dramatiker über Nacht berühmt. Theodor Fontane versteht Hauptmanns Drama als «Erfüllung Ibsens», es...
Man ist ja inzwischen einiges gewöhnt, aber es passiert trotzdem nicht so oft, dass das politische und sozialphilosophische Tafelsilber der Bundesrepublik ganz nebenbei in hohem Bogen vom Tisch fliegt. Und zwar nicht etwa abgeräumt von einem durchgebrannten ethnofaschistischen AfDler oder sonstig rechtsdrehenden Talkshow-Horrorgast, sondern von einem intellektuell...
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