Misogynie und Eigentum
Alles schön bunt hier, weich und rund: große Kuscheltiere, Fruchtgummis oder Frustpolster. Man kann auch weibliche Körperteile oder Utensilien assoziieren bei den Gegenständen, die auf der Bühne herumliegen. Eine Frau in Teilstücken als variable Bühnenlandschaft. Ein «weiblicher Kosmos» soll es sein, in den wir uns da gedanklich hineinbegeben. Nur im Hintergrund hängt eine Art schwarze Bombe oder ein Punching Ball drohend in die süße Frauenwelt hinein. Dieser weibliche Lebensraum ist gar nicht so sanft und komfortabel wie die bunte Bühnendekoration.
Seongji Jang hat ein heiteres Bühnenbild für eine düstere Geschichte entworfen. Marie Schleefs Bühnenversion des koreanischen Romans «Kim Jiyoung, geboren 1982» von Cho Nam-Joo hält sich sehr eng an ihre Vorlage. Der Roman war 2016 in Südkorea ein Skandal. Dabei liest er sich völlig unspektakulär, sogar langweilig. Wie der seltsam präzise Titel mit Namen und Geburtsjahr nahelegt, ist es ein Krankheitsbericht. Die Hauptfigur Jiyoung wird mit Mitte dreißig plötzlich psychisch krank. Sie spricht mit der Identität ihrer Mutter oder einer Freundin, findet offensichtlich phasenweise keinen Zugang mehr zu sich selbst. Der Roman erzählt die ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Januar 2024
Rubrik: Chronik, Seite 57
von Gerhard Preußer
Das Gespräch bezieht sich auf die Arbeit an dem Dossier zur Theaterarbeit in Ostdeutschland «Zukunft erproben» der Friedrich-Ebert-Stiftung.
Therese Schmidt Sie leben und arbeiten in Görlitz, einer Grenzstadt im Osten Deutschlands. Nach dem Studium in Kassel sind Sie zurück nach Sachsen gegangen. War die Entscheidung, nach Görlitz zu ziehen, auch aus dem Gedanken...
«Die Sprache ist eine Haut: ich reibe meine Sprache an einer anderen. So als hätte ich Worte anstelle von Fingern oder Finger an den Enden meiner Worte.»
Roland Barthes in «Fragmente einer Sprache der Liebe»
Ich danke Enrico Ippolito, Selen Kara, Sasha Salzmann & Hengameh Yaghoobifarah für ihre kritischen Augen und offenen Herzen.
Figuren
Theaterdirektorin
...
Im Moment ist die Aufmerksamkeit, die der ukrainischen Kunst in der Welt zuteil wird, in erster Linie politisch motiviert. Es gibt einen großen Vertrauensvorschuss. Tatsächlich aber suchen die meisten von uns nicht nach Mitleid, sondern nach Partnerschaft, Anerkennung des kulturellen Erbes, nach Legitimation und Instrumenten zur Befreiung von der kolonialen...
