Menschen unter Menschen
Was keine Kunst ist, ist ja längst geklärt. Rolltreppe fahren ist keine Kunst. Wändegucken ist keine Kunst. In die Schirn gehen ist keine Kunst. So steht es, bunt auf Beton, seit 2003 groß im Frankfurter U-Bahn-Ausgang «Dom/Römer» an den Wänden, auf die guckt, wer die Rolltreppe hochfährt, um in die Schirn zu gehen. (Oder in den Frankfurter Kunstverein, ins MMK, ins Fotografie-Forum, ins Haus des Buches, ins Haus am Dom, in ein gutes Dutzend anderer Kulturhäuser am Museumsufer – kein anderer deutscher U-Bahn-Ausgang dürfte so schnurstracks in so viel Kunst münden wie dieser.
)
Ob die Werbeagentur Saatchi & Saatchi damals auf mehr als eine billige Pointe zur einfachen Erreichbarkeit der Schirn-Kunsthalle aus und dafür im Zweifelsfall auch bereit war, Lawrence Weiner & Co. über die Plattitüdenklinge springen zu lassen, ist längst unerheblich. Denn die U-Bahn-Treppe ist zu einer Galerie geworden, einem Ort der Irritation, Reflektion, ja Resistenz – durch die Passanten, die hier seit Jahr und Tag ins Grübeln kommen, die die banalen Negierungen in Frage stellen oder sich gar gegen sie zu wehren beginnen. Warum ist gerade Rolltreppe fahren, Runtergehen, Hochschauen, Schwitzen keine ...
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Theater heute Jahrbuch 2016
Rubrik: Grenzen der Kunstfreiheit, Seite 76
von Matthias Pees
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