Das Ende des Dialogs
Wahrheit und Freiheit unterhalten im aufgeklärten Europa ein höchst verzwicktes Verhältnis. Doch Hakan Denktas, Protagonist in «Kuffar. Die Gottesleugner», kennt den Ausweg aus den Beunruhigungen der Moderne: Er stellt sie still, indem er sie als einfachen Gegensatz begreift. «Ihr sucht die Freiheit. Ich suche die Wahrheit.» Präziser lässt sich die Attraktivität eines religiösen Sinnversprechens kaum zusammenfassen, das Ambiguität in Eindeutigkeit überführt und Kontingenz in Ideologie.
Nuran David Calis’ jüngstes Stück ist, erstens, das Protokoll einer allmählichen Radikalisierung. Hakan, Sohn türkischer Einwanderer, ein Kind der zweiten Generation, wandelt sich vom Krankhausarzt, der verbotenerweise medizinisches Gerät nach Syrien schickt, zu einem überzeugten Islamisten. Als Abu Ibrahim verleiht er seinem wachsenden missionarischen Eifer Ausdruck in einem Videoblog. Je kompromissloser er argumentiert, desto größer wird die Zahl seiner Follower. Bis der Blog eines Tages vom Netz geht. Warum, bleibt in der Schwebe.
Der französische Politologe Olivier Roy hat darauf hingewiesen, dass die Radikalisierung junger europäischer Muslime nicht ohne das Thema des Generationenkonflikts zu ...
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Theater heute Jahrbuch 2016
Rubrik: Neue Stücke der neuen Spielzeit, Seite 159
von Claus Caesar
Was darf die Kunst? Alles! Weil sie ein Privileg ist.
Freiheit braucht Kunst. In der deutschen Gesellschaft kommt Kunst unter anderem die Aufgabe zu, kritisch zu sein. Und Gesellschaftskritik soll in einem demokratischen Gemeinwesen gefahrlos möglich sein: Nach Artikel 5 des Grundgesetzes – «Eine Zensur findet nicht statt» – ist staatliche Vorzensur untersagt.
K...
A
Ayad Akthar
The Invisible Hand (Schauspielhaus Bochum)
The Who and The What (Deutsches Schauspielhaus Hamburg)
Paul Auster
Mr. Vertigo (Theater Dortmund)
Alan Ayckbourn
Rondo (Theater Bielefeld)
Saphia Azzedine
Zorngebete (Theater Ulm)
Malin Axelsson/Karin Serres/Marianne Ségol
Rose Rose Rose (Theater der Jungen Welt Leipzig)
B
Michail Bartenjew und Alexej...
Bei Shermin Langhoff hängt ein Kunstwerk von Silvina Der-Meguerditchian, auf dem steht «Dert var gelir geçer, dert var deler gider» – es gibt Sorgen, die kommen und gehen, und es gibt Sorgen, die kommen, hinterlassen ein Loch und gehen dann. Diese Löcher untersucht Yael Ronen in ihren Stücken.
Das tut sie wie eine Therapeutin, eine Schamanin, eine Vermittlerin zur...
