Mensch ärger dich nicht
Wie sich die Zeiten gleichen. Die Theaterleute mischen sich unters Volk. Die Barriere zum Parkett ist gefallen, Partylaune drängt in die oberen Ränge, wo sich eine muntere Gegenwelt zum Menschenfeind Alceste hinter einer Batterie von Flaschen in Stimmung bringt. Der Steg, mit dem Stefan Mayer im Kölner Schauspielhaus diese Spaßstation mit dem schwarz eingesargten Bühnenkarton verbindet, in den sich Alceste flüchtet, fehlte im Frühjahr 2005 im Bochumer Schauspielhaus.
Dort hatte Mayer ebenfalls – für Matthias Hartmanns Abschiedsinszenierung – Molières Komödie als Mitmachtheater gewissermaßen dem Publikum auf den Schoß gesetzt. Die Zeiten gleichen sich auch insofern, als Hartmann wie Henkel die geistvoll angespitzte Übersetzung von Jürgen Gosch und Wolfgang Wiens benutz(t)en, deren «Menschenfeind» 1982 am gleichen Ort im Kölner Schauspielhaus stattfand und auf Axel Mantheys genialer Showtreppe als rasanter Sunny-Boy-Slapstick abschnurrte.
Knapp lässt auch Henkel spielen. Aber ihre Inszenierung büxt ständig vor der eigenen Konsequenz aus, macht sich dünne, indem sie dick aufträgt, balgt und juchzt sich um jede Genauigkeit. Nirgends Halt findend, schwankt sie wie die Bühnenbox, die aus ...
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