Memento mori
Für Karin Beier ist die aktuelle Spielzeit eine der Thesenstücke. Im Herbst dramatisierte die Intendantin des Deutschen Schauspielhauses Hamburg auf der Hauptbühne Ian McEwans Roman «Kindeswohl», in dem es um medizinische Behandlung gegen den Willen des Patienten ging; als zweite eigene Regiearbeit der Saison zeigt sie auf der Nebenbühne Malersaal die Recherche «Aus dem Leben», die die Diskussion über Sterbehilfe und assistierten Suizid aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet.
Wenn man noch Tugsal Moguls Inszenierung «Wir haben getan, was wir konnten» hinzunimmt, die im September 2020 die Arbeitsbedingungen in einem nach rein ökonomischen Kriterien durchorganisierten Gesundheitssystem dokumentierte, etabliert sich Medizinethik als zentraler Strang am Hamburger Schauspielhaus.
«Aus dem Leben» ist komponiert aus Interviews, die die Journalistin Brigitte Venator mit Betroffenen geführt hat. Nacheinander treten auf: ein ehrenamtlich tätiger Sterbebegleiter (Markus John); eine Frau mittleren Alters (Julia Wieninger), die sich aus einer feministischen Motivation für Sterbehilfe einsetzt, weil es hier darum geht, Autonomie zu erlangen und zu bewahren; ein Sohn (Maximilan Scheidt), ...
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Theater heute Februar 2022
Rubrik: Aufführungen, Seite 21
von Falk Schreiber
Zunächst sieht alles nach einem Druckfehler der Dramaturgie aus. Laut Stückeinführung spitze Regisseur Antú Romero Nunes Goldoni weiter zu und fordere Verwechslungen und Doppelbödigkeiten heraus, die durch «den Blick eines rein weiblichen Ensembles auf die männlichen Stereotype des 19. Jahrhunderts zusätzlich an Schärfe und Aktualität gewinnen». 19. Jahrhundert?...
Wie wäre es, wenn wir, nach jahrzehntelanger Abstinenz, einfach wieder ins Plattengeschäft gehen? Auf den ersten Blick alles wie gewohnt – und doch ganz anders? Schon beim Betreten hinterlegen wir unsere persönlichen Daten, inklusive Bankverbindung, und lassen die Kamera registrieren, die wir immer bei uns tragen. Beim Durchwühlen der Regale protokolliert die...
Endlich alles gut in Damaskus. Der Bürgerkrieg überwunden, Schuldfragen und Rachepläne vergessen. Die Trümmerfrauen, oder wer immer hundert Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg in Syrien dafür zuständig ist, haben die Bühne des Alltags klinisch gesäubert. Kaum ein Staubkorn zu sehen beim Ortstermin «Damaskus 2045» im Freiburger Kleinen Haus.
Es sind sogar wieder Museen...
