Meins oder Deins?
Das hochgewachsene, gestandene Mannsbild in lässig weiter Sportkleidung und einem weißen Kopftuch, das vorher einen so souveränen Eindruck gemacht hatte, schnieft traurig vor sich hin. Sein Verhalten passt so gar nicht ins Bild, das er von sich aufgebaut hat. Der weiße HipHopper fällt buchstäblich aus dem Rahmen, den die Bühnenbildnerin Inga Danysz in Form eines dreiteiligen rosafarbenen Bilderrahmens auf die Bühne gestellt hat. Die beiden Seitenflügel verjüngen sich nach hinten und deuten damit die Perspektive einer traditionellen Kulissenbühne an.
So rosa wie das Bühnengestell ist alles an diesem Abend. In der Bühnenmitte vor dem angedeute -ten Fluchtpunkt steht ein rosafarbener Hocker mit einem Fell, das sich später als Mantel entpuppt (Kostüm: Nadine Bakota). Zu Beginn liegt der Tänzer Rudi Natterer mit einem aufgestellten Bein darauf, einen Arm auf das Knie abgestützt, und streckt den Finger nach oben, als empfinge er gerade den göttlichen Funken wie einst Adam auf dem berühmten Gemälde von Michelangelo aus der Sixtinischen Kapelle.
Doch alles, was er sich mühsam als «Realness», also als authentische Performance aufgebaut hat, fällt in diesem Moment in sich ...
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Theater heute April 2022
Rubrik: Akteure, Seite 38
von Gerald Siegmund
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