Mehr Respekt und Würdigung
Die Pandemie und der Lockdown mit dem vielfachen Streamen von abgefilmtem Theater haben der Weiterentwicklung des «Digitalen» an der Bühne möglicherweise einen Bärendienst erwiesen. Seit Jahrzehnten arbeiten wir Videokünstler und Videokünstlerinnen mithilfe des Einsatzes innovativer digitaler Technologie mit Hingabe, großer Sorgfalt und Präzision an der Akzeptanz neuer Bildsprachen beim Theaterpublikum. Das inflationäre Streamen war dabei mitunter Futter für die Dauernörgler. Und das zum Teil durchaus berechtigt.
Dabei ist das Digitale im Theater nicht gleichzusetzen mit dem Streamen. Das Digitale ist bereits längst im Theater in allen Bereichen der Bühnen-, Licht- und Tontechnik integrierter Bestandteil geworden und bestimmt dort unser Schaffen. Und was gerade meinen Bereich des digitalen Films betrifft, so gibt es hierbei über die vergangenen dreißig Jahre noch eine ganz andere und gesonderte Entwicklung. Diese hat uns eine große Demokratisierung beschert. Wir als Filmschaffende sind nicht mehr ausschließlich von den Studios und den «Majors» abhängig. Mittlerweile haben wir mit bescheidenen Budgets zahlreiche großartige Software auf dem eigenem Laptop, um damit spektakuläre ...
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Theater heute Jahrbuch 2021
Rubrik: Streaming, Seite 98
von Voxi Bärenklau
Aber natürlich wird das Theater in zwanzig Jahren anders sein – in hundert Jahren allemal. Und es versteht sich, dass das Theater keinen Bogen ums Digitale machen kann. Allen Anhängern des analogen Theaters sei das zugerufen: Ja, es wird ein digitales Theater geben. Mein Spiegel im Bad klebt schon von den Aerosolen dieses Ausrufes, mein Bücherregal im Arbeitszimmer...
Geschichte ist Gegenwart. Am Beginn von Arthur Schnitzlers «Professor Bernhardi» situiert die Angabe «Wien um 1900» die Komödie in der Regierungszeit des Wiener Bürgermeisters Karl Lueger (sprich Lu:eger), von dem Adolf Hitler nach eigenen Angaben lernte, den Antisemitismus als politisches Kampfmittel einzusetzen. Als «Professor Bernhardi» 1912 in Berlin zur...
Ist die Zeit gerast oder stand sie still? Wann ist Zeit zu Halbwertzeit geworden, die (nicht nur nuklearen) Verfall markiert? War vor dem Anfang schon das Ende da? Diese Fragen stellt sich die göttliche Dreifaltigkeit in Miroslava Svolikovas Stück, in dem, titelgebend, Gott drei Frauen ist. Sie schauen auf die Erde, die ökologisch und mental am Ende zu sein...
