Keine Störfeuer
Das absolute Fundament von Theater und auch der große Unterschied zum Kino, Fernsehen, Streaming ist die mehrdimensionale Rezeption dessen, was sich auf der Bühne abspielt. Die momentanen Sinneswahrnehmungen von Spieler:innen und Publikum treffen simultan aufeinander und sorgen für ein exklusives Erlebnis. Niemand vor und nach genau dieser einen Vorstellung wird dasselbe nochmals sehen und fühlen können.
Vergleichbar vielleicht mit der warmen Atemluft, die aufgrund ihrer Feuchtigkeit an der kalten Fensterscheibe kondensiert und später wieder verschwindet, gesehen nur von denen, die anwesend waren.
Insofern ist das Theater grundsätzlich und in seinen Möglichkeiten die authentischste Version des «Geschichtenerzählens». Kein Schnitt, keine Farbkorrektur, keine Nachbearbeitung, keine Zensur, kein Fokus sorgen für eine Art vollen Korpus, einen Kunstkoloss, der zwar unverfälscht bleibt, es aber andersrum nicht selten bis zur Anstrengung schwerer macht zuzuschauen als einem Film oder einem abgefilmten Theaterstück im Bett. Bei Kartoffelchips. Jederzeit zu unterbrechen. Ohne Interaktion mit den Spieler:innen. Das klingt zunächst gut. Wenigstens ehrlich und im künstlerischen Sinne ...
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Theater heute Jahrbuch 2021
Rubrik: Streaming, Seite 92
von Taner Sahintürk
Es ist nicht so, dass es keine männliche Rolle gäbe in Svenja Viola Bungartens neuestem Stück «Maria Magda» mit dem sie den deutschsprachigen Wettbewerb des Heidelberger Stückemarkts 2021 gewonnen hat. Eine gibt es schon, bei der es zumindest dramaturgisch verschenkt wäre, sie nicht mit einem Mann zu besetzen: Die Rede ist von Gott. Und der muss für einiges...
nature is not natural – and it can never be naturalized
timothy morton
Was wollen wir denn eigentlich von der Natur, die sich gerade wieder aufs Allerdeutlichste durch den Klimawandel zurückmeldet, ohne dass wir eigentlich irgendeine Idee davon haben, was diese Natur denn tatsächlich sein könnte? Also, wir haben natürlich viele Ideen von der Natur, spätestens seit...
Der Philosoph Walter Benjamin schrieb in seinen Thesen «Über den Begriff der Geschichte» nicht nur über ein Bild von Paul Klee, sondern auch über das Phänomen der Siegesgeschichtsschreibung. Das Kulturgut selbst ist nicht frei von Barbarei, weil es sein Dasein nicht nur der Mühe der großen Genies, sondern auch all den namenlosen Zeitgenossen verdankt, auf deren...
