Keine Störfeuer
Das absolute Fundament von Theater und auch der große Unterschied zum Kino, Fernsehen, Streaming ist die mehrdimensionale Rezeption dessen, was sich auf der Bühne abspielt. Die momentanen Sinneswahrnehmungen von Spieler:innen und Publikum treffen simultan aufeinander und sorgen für ein exklusives Erlebnis. Niemand vor und nach genau dieser einen Vorstellung wird dasselbe nochmals sehen und fühlen können.
Vergleichbar vielleicht mit der warmen Atemluft, die aufgrund ihrer Feuchtigkeit an der kalten Fensterscheibe kondensiert und später wieder verschwindet, gesehen nur von denen, die anwesend waren.
Insofern ist das Theater grundsätzlich und in seinen Möglichkeiten die authentischste Version des «Geschichtenerzählens». Kein Schnitt, keine Farbkorrektur, keine Nachbearbeitung, keine Zensur, kein Fokus sorgen für eine Art vollen Korpus, einen Kunstkoloss, der zwar unverfälscht bleibt, es aber andersrum nicht selten bis zur Anstrengung schwerer macht zuzuschauen als einem Film oder einem abgefilmten Theaterstück im Bett. Bei Kartoffelchips. Jederzeit zu unterbrechen. Ohne Interaktion mit den Spieler:innen. Das klingt zunächst gut. Wenigstens ehrlich und im künstlerischen Sinne ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Jahrbuch 2021
Rubrik: Streaming, Seite 92
von Taner Sahintürk
Eine Schnapsidee war es nicht. Aber Weißweinschorle war im Spiel am Abend der Initialzündung, räumt Cosmea Spelleken ein. «Im ersten Lockdown saß ich mal mit einer befreundeten Schauspielerin zusammen, und wir waren uns einig: Wenn wir noch einmal online zusehen, wie Schauspieler vor ihrer Laptop-Kamera Märchen vorlesen, dann schreien wir.» Ja, klar, die Bühnen...
Uraufführungen
A
Nora Abdel-Maksoud
Cortison (Maxim Gorki Theater Berlin)
Jeeps (Münchner Kammerspiele)
Frank Abt und Natalie Driemeyer
Good. Better. Greta. (Hans Otto Theater Potsdam)
Cihan Acar
Hawaii (Theater Heilbronn)
Emre Akal
Hotel Pink Lulu – Die Ersatzwelt (Schauspiel Leipzig)
Adriana Altaras
Doitscha (Theater Bremerhaven)
Thomas Arzt
Taumel und Tumult...
Der Philosoph Walter Benjamin schrieb in seinen Thesen «Über den Begriff der Geschichte» nicht nur über ein Bild von Paul Klee, sondern auch über das Phänomen der Siegesgeschichtsschreibung. Das Kulturgut selbst ist nicht frei von Barbarei, weil es sein Dasein nicht nur der Mühe der großen Genies, sondern auch all den namenlosen Zeitgenossen verdankt, auf deren...
