Keine Störfeuer
Das absolute Fundament von Theater und auch der große Unterschied zum Kino, Fernsehen, Streaming ist die mehrdimensionale Rezeption dessen, was sich auf der Bühne abspielt. Die momentanen Sinneswahrnehmungen von Spieler:innen und Publikum treffen simultan aufeinander und sorgen für ein exklusives Erlebnis. Niemand vor und nach genau dieser einen Vorstellung wird dasselbe nochmals sehen und fühlen können.
Vergleichbar vielleicht mit der warmen Atemluft, die aufgrund ihrer Feuchtigkeit an der kalten Fensterscheibe kondensiert und später wieder verschwindet, gesehen nur von denen, die anwesend waren.
Insofern ist das Theater grundsätzlich und in seinen Möglichkeiten die authentischste Version des «Geschichtenerzählens». Kein Schnitt, keine Farbkorrektur, keine Nachbearbeitung, keine Zensur, kein Fokus sorgen für eine Art vollen Korpus, einen Kunstkoloss, der zwar unverfälscht bleibt, es aber andersrum nicht selten bis zur Anstrengung schwerer macht zuzuschauen als einem Film oder einem abgefilmten Theaterstück im Bett. Bei Kartoffelchips. Jederzeit zu unterbrechen. Ohne Interaktion mit den Spieler:innen. Das klingt zunächst gut. Wenigstens ehrlich und im künstlerischen Sinne ...
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Theater heute Jahrbuch 2021
Rubrik: Streaming, Seite 92
von Taner Sahintürk
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Hotels – wir kennen sie als Durchgangsräume par excellence, Orte temporären Zuhauseseins, gleichzeitig in ihrer Blütezeit Embleme einer in der Selbstrepräsentanz zu sich gekommenen Gesellschaft. Emre Akal lädt uns in seinem neuen Stück in ein besonderes Exemplar der Gattung ein. Das digital-eskapistische «Hotel Pink Lulu» verspricht genau das zu sein: Durchgangsort...
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