Mehr Respekt und Würdigung
Die Pandemie und der Lockdown mit dem vielfachen Streamen von abgefilmtem Theater haben der Weiterentwicklung des «Digitalen» an der Bühne möglicherweise einen Bärendienst erwiesen. Seit Jahrzehnten arbeiten wir Videokünstler und Videokünstlerinnen mithilfe des Einsatzes innovativer digitaler Technologie mit Hingabe, großer Sorgfalt und Präzision an der Akzeptanz neuer Bildsprachen beim Theaterpublikum. Das inflationäre Streamen war dabei mitunter Futter für die Dauernörgler. Und das zum Teil durchaus berechtigt.
Dabei ist das Digitale im Theater nicht gleichzusetzen mit dem Streamen. Das Digitale ist bereits längst im Theater in allen Bereichen der Bühnen-, Licht- und Tontechnik integrierter Bestandteil geworden und bestimmt dort unser Schaffen. Und was gerade meinen Bereich des digitalen Films betrifft, so gibt es hierbei über die vergangenen dreißig Jahre noch eine ganz andere und gesonderte Entwicklung. Diese hat uns eine große Demokratisierung beschert. Wir als Filmschaffende sind nicht mehr ausschließlich von den Studios und den «Majors» abhängig. Mittlerweile haben wir mit bescheidenen Budgets zahlreiche großartige Software auf dem eigenem Laptop, um damit spektakuläre ...
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Theater heute Jahrbuch 2021
Rubrik: Streaming, Seite 98
von Voxi Bärenklau
Ich gestehe: Ich habe auch gekocht beim Streaming-Gucken. Zumindest bei meinen eigenen Inszenierungen, wenn ich an den Abenden nicht im Theater war, sondern zu Hause. Dann haben meine Frau und ich den Laptop schon mal in der Küche aufgestellt. Seien wir ehrlich: Eine gestreamte Vorstellung verführt dazu, dass man zwar «reinschaut», aber nicht richtig hinschaut....
Im Jahr 1916 erscheint Franziska Gräfin zu Reventlows Buch «Der Geldkomplex». Es spielt in einem Setting, das wir von Thomas Manns acht Jahre später erschienenem «Zauberberg» gut kennen: einem Sanatorium. Reventlows Hauptfigur leidet, ähnlich wie die Autorin, an permanenter Geldknappheit. Nach neuestem medizinischen Wissensstand der Freudschen Psychoanalyse wird...
Vor dem Fernseher sitzt eine Gestalt, die aussieht wie tot. – So beginnt die Regieanweisung der zweiten Szene. – Die Gestalt schaut sich eine uralte Vogelsendung an, in der dieselbe Szene ständig wiederholt wird: Exotische Vögel flattern auf. Neben der Gestalt sitzt «der Bruder». Er ahmt die gleiche tote Erscheinung seines Vaters nach. Die Mutter fegt den Fußboden....
