Mehr Fleisch
So richtig politisch korrekt sieht diese Freitag-Skulptur ja nicht gerade aus. Der aus dem Jugendbuchklassiker «Robinson Crusoe» bekannte Ex-Kannibale, dem der Bühnenbildner Marc Warning auf der Bühne der Münchner Kammerspiele ein raumfüllendes Denkmal setzt, ist dem einsamen Urvieh King Kong wie aus dem Gesicht geschnitten: dieselben traurigen Hängeschultern, derselbe Blick ins Leere. Doch der «Neger» schaut nicht nur wie der Affe aus. Zu Füßen des Sitzriesen hat sein sarkastischer Schöpfer auch noch zwei todschicke Kücheninseln aufgefahren, in deren Töpfen es kräftig brodelt.
Wer kocht denn da – das wirklich radikal Andere? Und was – doch nicht etwa Menschenfleisch? Oder tritt gleich Tim Mälzer auf mit einer besonders pikanten Folge von «Schmeckt nicht, gibt’s nicht»?
Immerhin stammt J. M. Coetzees Roman «Mr. Cruso, Mrs. Barton & Mr. Foe», den Johan Simons hier in einer Bearbeitung des jungen belgischen Dramatikers Pieter de Buysser inszeniert, mitten aus dem Jahrzehnt der Political Correctness. Die PC-Bewegung, die um 1980 an den US-amerikanischen Universitäten entstand, glaubte fest daran, dass durch verordnete Veränderungen der Sprachpraxis Emanzipationshilfe für ...
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Achtung, das war gerade ein echter Theaterskandal. Tage-, nein wochenlange Aufregung, jeden Morgen neue Aufmacher und Kommentare, Reden und Gegenreden in den Feuilletons, plötzlich hatte jeder wieder eine Meinung. Und die Folgen sind noch gar nicht absehbar. Möglicherweise steht das gesamte deutschsprachige Regietheater zur Disposition. Sogar die «Bild»-Zeitung war...
Mit einer Art schauspiellosem Schauspiel ist Richard Maxwell aus Fargo, North Dakota, zu Ruhm und Ehren gelangt. Seine Inszenierungen «House» (1999), «Caveman» (2002) und viele andere sind über Festival-Bühnen von New York bis Oslo getourt, weil ihre Protagonisten eine hochkomische Form US-amerikanischer Apathie verkörperten: Provinzgestalten vom unteren Ende...
Es ist umsonst. Egal, was der Tänzer im blauen Ringelshirt mit dem Laib Brot in der Hand auch anstellt, es wird ihn nicht satt machen. Er drückt das Brot kräftig an seine Brust, klemmt es sich unters Kinn, versucht es mit geballter Kraft zu brechen, bis er schließlich mit seinen Fingernägeln auf ihm herum kratzt, dass es einem kalt den Rücken runter läuft....
