Wir sind Faust!
Wenn es stimmt, dass Gewerkschaftler vor allem da gerne streiken, wo es die Gesellschaft am härtesten trifft, dann dürfen sich die Theater im Grunde gratulieren, sind sie doch neben der Müllabfuhr im Ländle derzeit das beliebteste Angriffsziel von Arbeitskampfmaßnahmen (siehe S. 76 f). Anscheinend verspricht man sich dort, wo staatlich organisierter Kunstbetrieb und tarifrechtliche Arbeitnehmerinteressen aufeinanderprallen, noch öffentliche Breitenwirkung in besonderem Maß. Dass es dennoch nicht zum Schlimmsten kam und Schauspiel-Intendant Hasko Weber trotz ver.
di-Streik seine Februar-Premieren einigermaßen unbeschadet über die Bühne bringen konnte, verdankt sich womöglich dem Umstand, dass das Schauspiel Stuttgart in dieser Saison eine kleine, kämpferisch geballte Arbeiterfaust – und sei es in Lindgrün – im Wappen trägt. Wie gut, dass unser vorausschauender Dichterfürst seinem ruhelosen Dramenhelden einen so vielseitig interpretierbaren Namen gegeben hat.
Feindliche Familien-Übernahme
Auch der Held in Oliver Bukowskis neuem, im Depot uraufgeführten Stück «Steinkes Rettung» ist in gewisser Weise Opfer wirtschaftlicher Umwälzungen, allerdings kaum eines, das wegen ...
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Das Burgtheater feiert Geburtstag. Im Herbst vor genau fünfzig Jahren wurde das im Krieg ausgebrannte Haus wieder eröffnet. Aus gegebenem Anlass stehen in der Jubiläumsspielzeit 05/06 dieselben vier Stücke wie damals auf dem Spielplan. Die Geschenkidee ist nicht sonderlich originell, aber naheliegend: Ein Theater feiert Jubiläum, indem es das macht, was es ohnedies...
Hassan ist sechzehn Jahre alt und lebt, wie viele Menschen ausländischer Herkunft, in Essen-Katernberg. Hassan ist in Essen geboren. Liebe, sagt er, ist für ihn das Wichtigste im Leben. Deshalb hat es ihm das Herz gebrochen, als seine Freundin Angelika ihm eines Tages per SMS die Beziehung aufkündigte. Seitdem findet Hassan: «Liebe ist nur ein Mord». Diesen Spruch...
Die Texte des späten Beckett gelten als spröde und dem Theater schwer zugänglich. Die Prosa ist auf minimale, nicht mehr erzählend verbundene Sinneinheiten reduziert, während die Stücke Drama nur noch als Schwundstufe und selten den absurden Witz erkennen lassen, der «Godot» und «Endspiel» weltweit auf die Bühnen gebracht hat. Rein praktisch kommt dazu, dass man...
