Amerikanische Psychose
Mit einer Art schauspiellosem Schauspiel ist Richard Maxwell aus Fargo, North Dakota, zu Ruhm und Ehren gelangt. Seine Inszenierungen «House» (1999), «Caveman» (2002) und viele andere sind über Festival-Bühnen von New York bis Oslo getourt, weil ihre Protagonisten eine hochkomische Form US-amerikanischer Apathie verkörperten: Provinzgestalten vom unteren Ende der sozialen Leiter stellten sich mit schlaff herabhängenden Armen und monotonen Stimmen wortkarg zur Schau.
Ob der Theatermann aus dem Mittleren Westen es wollte oder nicht: Diese tragikomischen Schicksale lösten beim urbanen Publikum vor allem Gelächter aus.
Banalität unterm Mikroskop
Jetzt aber ist Schluss mit der lakonischen Indifferenz. «The End of Reality», Maxwells neueste Theaterarbeit, die kürzlich im traditionsreichen Experimentaltheaterhaus The Kitchen in New York Premiere hatte, verzichtet auf die demonstrativ lethargische Loser-Attitüde. Das liegt nicht nur daran, dass Maxwell seinen Schauspielern mehr Raum fürs «Schauspielern» gibt, ohne dabei jedoch seinen Stil der Affektlosigkeit ganz zu verraten; sondern auch an der Qualität des Textes. Zum ersten Mal stellt hier der Autor Maxwell die Tricks des ...
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Die Besetzung, was die Rollen der Kommunisten angeht», darauf insistierte Müller, sie sei «so jung wie möglich». Begründung: «Sie haben mehr vor als hinter sich.» Als Ruth Berghaus 1973 die Uraufführung des Stückes gegen das penetrante Misstrauen der Kultur-Schickeria durchsetzte, konnte der Vorschlag noch als Vertrauensvorschuss in ein längst morbides...
Eine Leiche im Keller belebt jedes Drama. Und wenn das Stück unbeerdigte Vergangenheit da unten auch noch von historischer Verstrickung erzählt, dann braucht man sich um die exemplarische Bedeutsamkeit fast schon keine Sorgen mehr zu machen. Fast. Denn nicht alle Vergangenheiten sind gleich, und die jüngste ist nicht immer die explosivste. Jedenfalls nicht im...
Barbara Burckhardt Seit Ihrem Episodenfilm «Lichter» (s. TH 4/03) haben Sie verstärkt und wohl mehr als jeder andere deutsche Filmregisseur mit Theaterschauspielern gearbeitet. Manche haben Sie erst fürs Kino entdeckt, wie August Diehl für das Hacker-Drama «23», der auch in «Lichter» spielte, zusammen mit Devid Striesow, den wir vorher auch nur aus dem Theater...
