Mehr als die Schuld
Der Weg von den Schließfächern am Tor bis zu dem Trakt, in dem die Gefangenen «Ödipus» spielen, führt in eine parallele Welt. Nach Ausweis- und Impfpasskontrolle sowie einer überaus gründlichen Leibesvisitation trottet das Publikum übers Gelände der JVA Tegel, vorbei am winterlich tristen Garten mit Teich und Beton-Sitzgruppen, an zwei Sportplätzen, Schildern, die den Weg zur Schlosserei oder anderen Betrieben weisen.
Auch die einzige deutsche Gefangenen-Zeitschrift «Lichtblick» wird seit 1968 auf dem Areal aus der Kaiserzeit produziert, das eine wuchtige, zweitürmige Kirche überragt. Anscheinend wird das Publikum beobachtet aus den vergitterten Fenstern der Zellentrakte: «Viel Spaß!»-Rufe schallen über den Hof, aber auch höhnisch klingendes Gelächter.
Arbeit, Ausbildung, Kirche, Freizeit, Kultur – das alles gibt es auch im Knast. Allerdings streng reglementiert, kontrolliert und fast immer unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Auch das Leitungsteam der seit 18 Jahren mit der JVA Tegel kooperierenden Gruppe aufBruch muss bei jedem Besuch ein kompliziertes Einlassprozedere durchlaufen, schließlich könnten Mitarbeiter:innen zu (unfreiwilligen) Boten für die insgesamt 800 Insassen ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Januar 2022
Rubrik: Magazin, Seite 69
von Eva Behrendt
Alexa, Siri, der Roboter Sanbot S1, Kuschelrobben für Demenzkranke: Wir leben längst in einer Welt, in der mit künstlicher Intelligenz ausgestattete Maschinen zumindest testweise zu Service- und Pflegezwecken eingesetzt werden. Deshalb ist es auch keine große Überraschung, dass sich zunehmend auch Theaterschaffende mit dieser Computertechnik beschäftigen. Jüngst...
Impressum
Theater heute
Die Theaterzeitschrift im 63. Jahrgang Gegründet von Erhard Friedrich und Henning Rischbieter
Herausgeber
Der Theaterverlag – Friedrich Berlin
Redaktion
Eva Behrendt Franz Wille (V.i.S.d.P.)
Redaktionsbüro
Katja Podzimski
Gestaltung
Christian Henjes
Designkonzept
Ludwig Wendt Art Direction
Redaktionsanschrift
Nestorstr. 8–9, 10709...
Zwei junge Menschen tippen auf ihren Handys rum. Hochkonzentriert. Mehr passiert in «Pleasant Island» nicht. Doch aus diesem radikal minimalistischen Ansatz entwickelt sich ein genresprengender Theaterabend, der irgendwo zwischen Reportage, Theater-Feature und Multimediakunst seinen Platz sucht – und auf der Euro-Scene in Leipzig einen gefunden hat. Es ist eines...
