Maßlose Wirklichkeit

Werner Herzog erzählt seine Autobiografie als Aufbruch eines ewig Staunenden: «Jeder für sich und Gott gegen alle»

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Werner Herzog, Film- und mit einigem Erfolg auch Opernregisseur, ist im Hauptberuf inzwischen Ikone. Der Hang zum Überlebensgroßen zeichnet sein Werk fast von Anbeginn aus: Das Schiff, das er in «Fitzcarraldo» über den Berg ziehen ließ, die Kämpfe mit Klaus Kinski, die Reisen ans Ende der Welt im beweglichen Wechsel zwischen dokumentarischen und fiktionalen Formen, all das fällt als Anschein des Heroischen auf Herzog, den Regisseur, Autor zurück.

Wer sein – ziemlich unübersichtliches – Werk nicht kennt, ist mutmaßlich mit der Figur und vor allem der Stimme vertraut, und sei es von den Gastauftritten als Walter Hotenhoffer bei den «Simpsons». 

Seine Stimme, sein Sprechen ist bis zur Parodierbarkeit eigen – es gibt gute Imitatoren, selbst mit Künstlicher Intelligenz bekommt man Herzog gut hin (infiniteconversation.com). Im Unterton Bayerisch, und zwar im Englischen wie auch im Deutschen. Es liegt eine singende Dringlichkeit, ein Betonen des Unbetonten darin; in seiner Autobiografie schildert Herzog, dass er sich diesen ans Raunende grenzenden Ton sehr bewusst zugelegt hat, für das Voiceover seiner Dokumentationen. Anfangs kam er dafür noch ohne Kommentarstimme aus, längst ist sie in ...

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Theater heute 12 2022
Rubrik: Bücher, Seite 54
von Ekkehard Knörer

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