Marode Mittelschichtler:innen
Familie Wagner hat alle exklusiven Urlaubsdestinationen gerade noch rechtzeitig abgeflogen, bevor eine Flug-Abstinenz der Bürger:innen erste Pflicht wurde. Die Malediven sind jetzt nicht mehr drin, und es sieht so aus, als hätten die Wagners in ihrem aktuellen Urlaubsdomizil dezente Entzugserscheinungen. So ein veganer italienischer Bauernhof ist nun mal ein Bauernhof. Nichtsdestotrotz geben sie ihr Bestes und jede Menge Lebenszeit, um sich ins rechte CO2-Licht zu rücken.
Sogar Papa Paul trainiert seine woke Dehnungsfähigkeit und geht, wenn er heimlich Autohäuser zum Zweck einer Probefahrt aufsucht, neuerdings nur noch ins Autohaus Gitter. Der Inhaber hat vollständig auf E-Mobilität umgestellt, ist dummerweise seither aber on the road to Insolvenz.
Die Menschen in Löhles «Firnis» fürchten den sozialen Abstieg oder sind bereits abgestiegen wie der überschuldete Leonard, der aus Scham die Familie verlässt, auf der Straße lebt und dort von Mutter Wagner adoptiert wird. Die therapierende Psychologin nimmt ihn in der Familie auf, wo er den Hauhalt führt. Riecht dezent nach Sklaverei, könnte aber auch der erste Schritt in Richtung der gelingenden Integration eines Biodeutschen sein, der ...
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Theater heute Oktober 2024
Rubrik: Chronik, Seite 61
von Jürgen Berger
Szenografisch spannt die Inszenierung einen gewaltigen Bogen: Lessings «Nathan der Weise» beginnt in einem poppig-postapokalpytischen «Mad Max»-Mittelalter – und mündet nach gut zwei Stunden in eine Art Reenactment des Gemäldes «Winckelmann im Kreise der Gelehrten in der Bibliothek des Schlosses Nöthnitz» (1874) von Theobald Reinhold von Oer. Dieser Spagat gelingt...
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bis 2027, Rebels
Deutschland 2022, Regie Çagdas Eren Yüksel Dreiteilige Doku-Serie über politische Künstler:innen aus der Musik-, Comedy- und Aktionskunst-Branche, darunter Enissa Amani, Nico Semsrott, Disarstar, Blond, PTK, Cesy Leonard, Philipp Ruch, Peng Kollektiv, Shahak Shapira, Moritz Neumeier und Ton Steine Scherben.
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bis...
Wie das Innere eines Gurkenglases schimmern die Bühnenwände: trübe, grün, irgendwie geheimnisvoll. Doch natürlich nur, wenn Licht auf sie fällt. Normalerweise steht das saure Gemüse in Reihen in dunklen Kellerregalen. Und so stehen auch die fünf Schauspieler als abstrakte Einlegeware in beige-braunen Jumpsuits (Bühne und Kostüme Heike Mondschein) nebeneinander...
