In jeder Ecke schwarz
Wie das Innere eines Gurkenglases schimmern die Bühnenwände: trübe, grün, irgendwie geheimnisvoll. Doch natürlich nur, wenn Licht auf sie fällt. Normalerweise steht das saure Gemüse in Reihen in dunklen Kellerregalen. Und so stehen auch die fünf Schauspieler als abstrakte Einlegeware in beige-braunen Jumpsuits (Bühne und Kostüme Heike Mondschein) nebeneinander immer wieder im Black. Chorisch beschweren sie sich über unachtsame Besitzer: «Unbekannte Hände zerrten uns aus der Dunkelheit heraus – sie dachten nicht einmal den Deckel abzunehmen. Sie riechen noch nicht einmal daran.
»
Dabei hat das Fermentieren von Kohl, Möhren und Gurken einst ganzen Familien über den harten osteuropäischen Winter geholfen. Der namenlosen fünfköpfigen Familie, von der die bosnische Autorin Asja Krzmanovic in der Uraufführung von «Sauer» am Theater Oberhausen erzählt, ist indes nur das alljährliche Einlege-Ritual als Tradition geblieben. Harmonisches Zusammentreffen sieht anders aus: Während die Großmutter immer wütender Morddrohungen herauskläfft und in Demenz versinkt, haben der gereizte Business-Sohn (Tim Weckenbrock) und seine ungeduldige Ehefrau (Ronja Oppelt) sichtlich keine Lust, am altmodischen ...
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Theater heute Oktober 2024
Rubrik: Chronik, Seite 60
von Dorothea Marcus
So ist das also mit der AfD in den besserverdienenden Kreisen: Man ist ein erfolgreicher, wenn auch zwielichtiger Rechtsanwalt, der schon als Jugendlicher keine Ausländer mochte, weil sich der gefühlskalte Vater nach dem Tod der Mutter eine Thailänderin ins Haus geholt hat. Später fühlt man sich dann in der coolen Kanzlei zurückgesetzt, weil eine Frau und zwei...
Also! Wir gehen? – Gehen wir!» Sie gehen nicht von der Stelle. So endet Samuel Becketts «Warten auf Godot». Sie sind doch gegangen in Bochum, in Ulrich Rasches Inszenierung, und wie! Fast vier Stunden lang schleichen Vladimir und Estragon auf den unmerklich die Richtung wechselnden Drehscheiben dahin. Ja, sie kommen nicht von der Stelle. Und dass sie dennoch gehen,...
Ein Windhauch weht durch die bunten Girlanden über der Freilichtbühne der Jenaer Kulturarena, während das siebenköpfige Ensemble vom Bühnenrand leise sein Good-bye singt. Und dann fängt es auch noch an zu regnen. Ein etwas kitschiger Abgang. Doch es wäre nicht das Jenaer Ensemble, wenn es so gehen würde. Also noch einmal anders: Good-bye in Krautrock-Manier. Es...
