Man weiß nie, was noch kommt
Das Unterschichtenfernsehen beginnt dort, wo Gert Scobel nicht mehr mit deutschen Professoren über Einstein diskutiert und Harald Schmidt sich nicht mehr unter safrangelben Tüchern versteckt. Alles andere ist dem Kulturbürger, der sich zur Verteidigung der Hochkultur igelartig zusammengerollt hat, igitt. Um zwanzichuhrfümfz'n, nach Tagesschau und Kulturzeit, wird das Terrain den Prolls überlassen; man schiebt eine Opern-DVD in den Player und schleicht sich dann zur Tarantino-Retrospektive um Mitternacht wieder ins Programm.
Über nichts kann man sich mit Abitur so leicht erheben wie über das Fernsehprogramm (Platz zwei: die Bundesbahn). Vor lauter Anstrengung, den normalen Ikea-Menschen auszuweichen, erkennt der Restbestand der Hochkulturbewohner die satirefähige Normalität des eigenen Milieus nicht mehr. Aber auch oder gerade auf der Volks- oder Schaubühnenpremiere ist Lindenstraße. Soviel vorweg.
Im Schillerjahr muss die Sat1-Comedy-Sendung «Schillerstraße» ganz oben auf der Liste dessen stehen, was man kulturbürgerseits nicht sehen möchte. Das Ikea-Proletariat, diese schreckliche, aus Lehrern und Zahntechnikern bestehende Unterschicht, verkörpert von deutschen Comedians, wird vor ...
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Seit Theresia Walser sich letztes Jahr nach längerer Theaterabstinenz mit zwei neuen Stücken zurückgemeldet hat, herrscht ein dezenter Krieg an deutschen Bühnen: Dramatikerin und Uraufführungsregisseure kämpfen um die Oberhoheit über Texte. Ein Streit, der sich an Jacqueline Kornmüllers bildbeschwerter Stuttgarter Urinszenierung von Walsers «Wandernutten»...
Der Himmel hat 600 Neonröhren. Ein riesiger rechteckiger Lichtkasten hängt horizontweit über der Bühne der Münchner Kammerspiele. So wünscht sich Osram den ersten Schöpfungstag. Es werde Licht, flackerfrei schaltbar, gruppenweise vernetzt, stromsparend. Und wenn alle 600 gleichzeitig aufflammen, kommen sie dem Sonnenideal ziemlich nahe: schattenfreie Tageshelle,...
Jamie Carris hat von Anfang an keine besonders günstige Sozialprognose: Missbrauchsopfer, Selbstmordversuch, vernachlässigt, aggressiv. Simon Stephens zeigt ihn mit 18 – da hat er gerade den Liebhaber seiner Mutter niedergestochen und einen jungen Tankwart, weil er seine Rechnung nicht bezahlen konnte. Er sitzt mit Lynsey, 15, im geklauten Auto und träumt von...
