Aug in Aug mit dem Tod
Émile Durkheim erklärte 1897 den Selbstmord als soziales Phänomen. Rund hundert Jahre später hat Jon Fosse ein Stück über den Selbstmord einer jungen Frau geschrieben, in dem er bewusst weder individuelle Geschichten noch gesellschaftliche Zusammenhänge thematisiert. Dennoch werden Einsamkeit und Sprachverarmung seiner Figuren zu einem Thermometer für die gesellschaftliche Befindlichkeit.
In «Todesvariationen» erscheint das Thema des Selbstmordes zunächst als eine Beschwörungselegie des Todes, verrätselt in der schwärmerisch traumwandlerischen Anziehung von Mensch und Tod (Die Tochter: «Und ruhig / ist es / ein ruhiges Ausruhen / wie wenn man dasitzt und aufs Meer sieht / einfach dasitzt / das Meer sieht / so ruhig»). Der Tod tritt in der Figur eines «Freundes» auf, nach dem sich die junge Selbstmörderin sehnt und der ihr doch fern bleibt («Wir sind einander nah / und so weit entfernt / voneinander»). Doch bleibt es nicht beim romantischen Motiv, denn in der Sprache der Figuren drückt sich die Sterbenskälte sozialer Einsamkeit aus. Wie eine zähe und stockende Masse lässt sie immer nur kleinste Verschiebungen zu und macht ein Vorankommen unmöglich; Sätze bleiben in der Luft hängen ...
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Es war wie beinahe jedes Jahr. Als die siebenköpfige Jury des Theatertreffens Ende Februar nach eines langen Tages Diskussionen über ihre Favoriten aus 300 Inszenierungen landauf, landab erschöpft auf das «Tableau» der Einladungen blickte, sah sie: 2 x Berlin, 2 x Hamburg, 2 x Münchner Kammerspiele, 2 x Zürich, 1 x Wiener Burgtheater und, immerhin, 1 x Hannover....
Das Schlimmste, was ihrem Stück auf dem Theater passieren könne, sagt Anja Hilling, sei, dass auf der Bühne wirklich Gulasch gekocht werde. Nun wurde bei der inoffiziellen Uraufführung von «Mein junges idiotisches Herz» im Werkraum der Münchner Kammerspielen dieses Gulasch nicht nur gekocht, sondern am Ende der Vorstellung auch noch von allen Schauspielern...
Der Schottenrock wird weithin unterschätzt. Man hat ihn als sympathische Schrulle lieb gewonnen, nimmt ihn als Kleidungsstück aber nicht weiter ernst. Damit ist jetzt Schluss: Die Protagonisten der Oscar-Wilde-Inszenierung «Ernst ist das Leben» im Akademietheater demonstrieren eindrucksvoll, wie kleidsam und sexy das verkannte Teil sein kann – und wie gut der Kilt...
