«Man muss die Dinge mit heiligem Ernst vortragen»

Ein Gespräch mit dem Musiker Clemens Sienknecht über die unendliche Unzulänglichkeit, die Arbeit mit Christoph Marthaler, den Wert der Schnapsidee und seinen «Effi Briest»-Abend, «allerdings mit anderem Text und auch anderer Melodie»

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Till Briegleb Clemens Sienknecht, wie kommt man als Regisseur und Musiker auf die Idee, einen traurigen Roman über ein ungelebtes Leben wie Fontanes «Effi Briest» mit einer lustigen Radioshow aus den Siebzigern zu verbandeln?

Clemens Sienknecht Als ich Fontanes Roman las, stellte ich mir vor, dass die Geschichte von einer Schallplatte erzählt wird. Innstetten tritt auf, die Platte hängt, Innstetten muss wieder abgehen. Daraus entwickelte sich die Idee, das ganze Stück vom Plattenspieler leiten zu lassen.

Es gibt ein Hörbuch von Gert Westphal, das wir als Vinyl-Platte einsetzen. Das setzte viele Fantasien frei.

TB Es ist die erste klassische Textvorlage, die Sie inszenieren.

Sienknecht Ich finde es zunehmend schwierig, Abende zu entwickeln, wo es am Anfang nichts gibt außer einem riesigen Vakuum, das es zu füllen gilt. Deswegen wollte ich eine Grundlage haben, einen roten Faden, an dem ich mich entlanghangeln kann. Natürlich versehen mit dem Untertitel «Allerdings mit anderem Text und auch anderer Melodie», um im Zweifelsfall doch etwas völlig anderes machen zu können. Dass wir dann tatsächlich die Geschichte so ausführlich erzählen, hätte ich anfangs nicht gedacht.

TB Befürchteten ...

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Theater heute Mai 2016
Rubrik: Theatertreffen Berlin, Seite 34
von Till Briegleb

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