Aktionskunst: Zürcher Theateraustreibung
Im März kam der Berliner Philipp Ruch mit seinem Zentrum für Politische Schönheit (ZPS) nach Zürich, um im Auftrag des Theater Neumarkt aus der Fixierung auf Roger Köppel und seine rechtsnationale «Weltwoche» etwas Kunst zu formen. Eine kleine Nebenarbeit, nicht viel mehr als eine Website. Auf www.schweiz-entkoeppeln.ch konnten Nutzer Flüche an die Adresse des Verlegers und SVP-Politikers ausstoßen. Verstanden als Exorzismus, um Köppel den Geist von Julius Streicher auszutreiben, dem Herausgeber des Nazi-Hetzblattes «Stürmer». Über 800.
000 Flüche sollen von der Seite verschickt worden sein. Und vor dem Theater standen Vitrinen mit der Aufschrift «Schweizer, lies die Weltwoche!». Streicher, Stürmer? Steil. Im oberen rechten Rand der Website stand bald präventiv «Vorsicht, Kunst!».
Es darf bezweifelt werden, dass das ZPS an Besessenheit glaubt, aber der Vorwurf der rechten Hetze an Köppel geht deswegen nicht von selbst weg. Anfang des Jahres schrieb Köppel ein Editorial zu Leonard Mosleys 40 Jahre alter Biografie von Hermann Göring, am Ende des Textes erreicht Köppel «die Gegenwart in Form der Durchsetzungsinitiative (Abschiebung krimineller Ausländer auch nach Bagatelldelikten, ...
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Theater heute Mai 2016
Rubrik: Magazin, Seite 74
von Tobi Müller
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