Macronie und Macarons
Also, er habe es ja versucht. Echt jetzt, sagt Andrew Bleichenwang zu seinem Freund Toby Rülps. Er sei mehrmals über die Straße gegangen, aber Arbeit habe er trotzdem nicht gefunden. Welche Straße?, fragt dieser. Ja, hier, gleich vor dem Theater. Aber das sei doch ein Platz!, entrüstet sich Sir Toby. Über eine Straße müsse er gehen, dann sei alles kein Problem.
«Je traverse la rue et j'en trouve», sagte Emmanuel Macron zu einem arbeitslosen Gärtner: Jobs gäbe es genug, wenn man nur motiviert sei.
Wie heutzutage alles wurde auch dieser wenig sensible Spruch mitgeschnitten und ging in den sozialen Medien viral als Beispiel für die Volksferne des Präsidenten und die Arroganz der «Macronie» insgesamt. Der Präsident, angetreten wie ein neuer Sonnenkönig, hat seinen Nimbus verloren. In Umfragen sinken die Zustimmungswerte für ihn rapide, im Herbst sogar noch unter die seines unbeliebten Vorgängers François Hollande. Er hat das Problem des elitären Technokraten, der notwendige Reformen unsensibel verkauft; er hat gewiss auch an einer französischen Mentalität zu beißen, die der prominente Leitartikler Alain Duhamel, seinerseits konservativ, auf den Punkt bringt: «Die Franzosen entscheiden ...
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Theater heute Januar 2019
Rubrik: International, Seite 43
von Andreas Klaeui
Auf den Bühnen von Eimuntas Nekrosius war nie viel Licht – und das entsprach auch seiner Sicht der Dinge. Als der damals 37-jährige litauische Regisseur 1989 zum ersten Mal in Berlin gastierte, war kein Funken Glasnost-Begeisterung zu spüren. Gefragt, was er mit der neuen künstlerischen Freiheit anzufangen gedächte, meinte er lapidar: «Es ist wie mit...
Wenn vor der Premiere die Intendantin auf die Bühne kommt, ist das meistens kein gutes Zeichen. Wenn vor der Premiere von «Die Revolution frisst ihre Kinder!» die Schauspielerin Evamaria Salcher auftritt und sich als Intendantin vorstellt, ist das die erste Pointe des Abends. Salcher behauptet nicht nur, Intendantin zu sein, sondern auch, dass die Premiere abgesagt...
«Vielleicht ist es woanders anders, aber bei uns nicht.» Das ist der zentrale Satz in Dmitri Sokolows «Russian Boy»: Möglicherweise ist eine schwule Coming-of-Age-Geschichte im Westen kein Aufreger mehr (wobei diese These abseits der Metropolen auch noch einmal diskutiert werden sollte), in Russland aber, wo ein Gesetz seit 2013 positive Aussagen über...
