Münster: Der Tod und die vierte Wand
Neues von der Alterskriminalität: 2017 ließ Dirk Laucke ein betagtes Pärchen «Bambule im Herbst» veranstalten, Einbruch und Entführung inklusive. 2018 verhökern nun zwei alternde Damen in Svenja Viola Bungartens Stück «Tot sind wir nicht» rezeptpflichtige Medikamente auf dem Schwarzmarkt. Mit dem Geld wollen sie nach Japan durchbrennen. Pikantes Detail: Eigentlich ist es Utes Mann Willi, der die Unmengen an Tabletten einnehmen sollte.
Doch der dämmert seit Jahren kaum ansprechbar im grauen Fernsehsessel dahin, während seine Frau noch große Lust am Leben verspürt und an der zarten neuen Liebe zu ihrer früheren Schulfreundin Beate. Der Plan der Frauen geht solange auf, bis Willi einfach stirbt. Als die Quelle versiegt ist, müssen die beiden improvisieren.
Was vom Plot her verdächtig nach einer Fernsehkomödie für öde Dienstagabende klingt, gewinnt durch Bungartens Sprache. Mit kleinen Verschiebungen legt die 26-jährige Absolventin des Studiengangs Szenisches Schreiben an der Berliner Universität der Künste immer wieder die Sehnsucht und Verletzlichkeit frei, die unter den eingespielt schnoddrigen Wortwechseln liegt. Als mitgesprochene Regieanweisungen tupft sie zudem leise, ironisch ...
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Theater heute Januar 2019
Rubrik: Chronik, Seite 60
von Cornelia Fiedler
Am Anfang war das patriarchalische Paradies. Schreiber Licht sorgt für Helligkeit am Sicherungskasten, Ruprecht repariert den Kühlschrank, Frau Marthe rupft ein Huhn, und Richter Adam thront mit Allongeperücke und Talar in der Mitte. Die Vögel zwitschern, und die Hähne krähen. Und aus Adams Talar schlüpft Eve, spärlich bekleidet, hervor und schmiegt sich an ihn....
Was wissen wir von dem, was wir erfinden? Was wissen wir über Alexa und Siri, über Sex-Bots und Reborn-Babies, über Pygmalions Venus und Frankensteins Monster? Woher wissen wir, dass sie, mit denen wir so viele Affekte und Wünsche verbinden, denen wir uns so zeitintensiv und zugewandt widmen, selbst keine Gefühle haben, kein Bewusstsein? In seiner Uraufführung...
Burkhard C. Kosminski macht gerne Hausbesuche. Schon ein gutes Dutzend Mal war der Schauspielintendant seit Amtsantritt zu Gast bei Stuttgartern. Kosminski hört gerne zu, und er redet gerne. Jeder kann ihn einladen. Einzige Bedingungen: 8–20 Leute. Essen und Trinken. Und es wird nicht über vormalige Stuttgarter Intendanten geschimpft.
Überhaupt wirkt der «Neue»...
