Macht des Ohnmächtigen

Shakespeare «Richard III.» BERLIN RambaZamba-Theater

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In York, im Norden Englands, sah man König Richard III. noch nie als den blutrünstigen Herrscher, den Shakespeares Drama aus dem historischen Vorbild machte. In York hält man eher Shakespeare für einen Schurken, für ein Lästermaul und Speichellecker der Tudor-Dynastie, die über Richard dereinst siegte. Und überhaupt: Eine harte Hand und taktische Morde zur Festigung der eigenen Thronansprüche, wie man sie Richard nachsagt, waren ja wohl Usus in spätmittelalterlicher Zeit.

Wer könnte es dem Lokalmatador verdenken?

Entlang der Yorkschen Rechtfertigungslinie hat Antigone Akgün ihre Shakespeare-Überschreibung «Richard III.» angelegt. Sie zeigt den Helden als Opfer höfischer Machtdynamiken und als Objekt von Zuschreibungen: «Ich bin es leid, mir anzuhören, was ihr aus mir machen wollt», schleudert Richard den Geistern entgegen, die ihn vor seiner letzten Schlacht heimsuchen. Sie sind Verkörpe -rungen seines Gewissens, wie sie sagen, und wollen ihm noch einmal seine Verfehlungen vorführen. Aber ob diese Taten tatsächlich auf Richards Kappe gehen oder ob sie ihm bloß in den Schoß fallen oder gar nur in die Schuhe geschoben sind, das bleibt in der riesigen Rückblende, in der Akgün ...

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Theater heute November 2026
Rubrik: Chronik, Seite 63
von Christian Rakow

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