Mach mich nass!

Roger Vontobel inszeniert Shakespeares «Was ihr wollt» am Bochumer Schauspielhaus als hermaphroditisches Gender-Spiel

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Eine schmucke kleine Hochzeitsgesellschaft, vielleicht irgendwo auf dem Balkan, wo das legendäre Illyrien liegen soll, vielleicht auch bloß beim Griechen in Bochum-Stiepel. Die Braut trägt Weiß, der Vater des Bräutigams packt langen Unsinn in eine kurze Rede, der Kellner ist nervös, der Bräutigam gibt sich Mühe, nett zu sein. Bis dahin ist alles korrekt (abgesehen davon, dass man im falschen Stück zu sein glaubt). Dann aber geschieht Sonderbares. Die Braut gießt ihr Weinglas voll bis zum Überlaufen, wirft dem Bräutigam Sahne ins Gesicht, tickt aus.

Roger Vontobel lässt in einem frei erfundenen Vorspiel einige Shakespeare-Verse zitieren, aber auch (beiläufig) Lars von Triers Film «Melancholia», wo die Braut auf einem mondänen Hochzeitsfest in großem Stil in die Depression entgleitet. Es geht in dieser Aufführung nun sehr rabiat zur Sache. Die Braut verschwindet kurz und kehrt mit einem Feuerwehrschlauch zurück, spritzt die Gesellschaft samt Bräutigam einfach weg. Das ist kein neckisches Spielchen mehr, auch keine bizarre Pointe, sondern ein Akt der Gewalt.

Jana Schulz zwischen den Polen

Die widerspenstige Braut verwandelt die Bühne (Claudia Rohner) mit ihrem Schlauch in ein Meer und ...

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Theater heute Januar 2012
Rubrik: Aufführungen, Seite 30
von Martin Krumbholz

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