Drei minus eins gleich Mord
Die Gehilfin räumt auf. Es soll ja alles spurenfrei und sauber sein für «Die Unter–richtsstunde» im Theater Basel. Eine frische Schülerin läutet. Schnell den Tisch gewischt, eine herrenlose Tasche in die Truhe gepfeffert, die alten Formeln auf der Tafel ausgelöscht, das Transistorradio in der Schürze abgewürgt. Schon stiefelt die Haushälterin (Nikola Weisse) zur Tür.
Dann weht sie herein, die Novizin, deren Hochschuleignung auf dem Prüfstand stehen soll. Marie Jung spitzt Bleistifte, ein Chanson auf den Lippen, jede Bewegung das blühende Leben.
Der Tisch, lang und leer, ist gerichtet für das Schlachtfeld der Worte und Ziffern, das sie in diesem merkwürdigen Raum erwartet, mit seinem altmodischen, auf ein Atelierfenster projizierten Studierzimmer im Hintergrund.
Der Herr des Hauses (Vincent Leittersdorf) gibt sich als eine Art Professor Higgins aus der 68er Generation zu erkennen. Das Sakko standesgemäß zerknautscht, die ergrauten Strähnen über den Kragen gekämmt. Kein abstoßender Typ. Ein wenig gehemmt vielleicht, sein Smalltalk ist von der peinlichen Sorte und sein Blick schweift fahrig ins Leere. Aber eine gewisse Menschenscheu kommt in den besten Privatlehrerkreisen vor.
«Die ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Januar 2012
Rubrik: Chronik, Seite 54
von Stephan Reuter
Mit 81 Jahren ist Wilfried Minks wieder da angekommen, wo er anfing. Er verbringt seine Zeit vor allem mit Zeichnen und Malen, so wie er es schon mit vierzehn und fünfzehn Jahren tat, nach der Vertreibung aus dem böhmischen Dorf Binai, fünfzig Kilometer nördlich von Prag (und fünfzig Kilometer südlich von Theresienstadt – von dem, was dort vor sich ging, wusste er...
Er verzeihe denjenigen, die im Oktober mit Gewalt versucht haben, das Publikum am Besuch der Vorstellung im Pariser Théâtre de la Ville zu hindern, schreibt der italienische Theatermacher Romeo Castellucci auf seiner Homepage, er verzeihe ihnen, weil sie nicht wussten, was sie tun. Und nimmt damit selbst die Pose des Erlösers ein, den die militant christlichen...
Eine grüne Drehbühne, im Hintergrund eine runde Bildprojektion. Vorn ein Stehpult für die Hauptdarsteller: Erst spricht der Bundespräsident, dann die Kanzlerin und jetzt der Ministerpräsident von Baden-Württemberg. Er dreht und wendet etwas linkisch das Manuskript, bevor er anfängt. Dafür gibt es vom gefüllten Auditorium des Badischen Staatstheaters Szenenapplaus....
