Drei minus eins gleich Mord
Die Gehilfin räumt auf. Es soll ja alles spurenfrei und sauber sein für «Die Unter–richtsstunde» im Theater Basel. Eine frische Schülerin läutet. Schnell den Tisch gewischt, eine herrenlose Tasche in die Truhe gepfeffert, die alten Formeln auf der Tafel ausgelöscht, das Transistorradio in der Schürze abgewürgt. Schon stiefelt die Haushälterin (Nikola Weisse) zur Tür.
Dann weht sie herein, die Novizin, deren Hochschuleignung auf dem Prüfstand stehen soll. Marie Jung spitzt Bleistifte, ein Chanson auf den Lippen, jede Bewegung das blühende Leben.
Der Tisch, lang und leer, ist gerichtet für das Schlachtfeld der Worte und Ziffern, das sie in diesem merkwürdigen Raum erwartet, mit seinem altmodischen, auf ein Atelierfenster projizierten Studierzimmer im Hintergrund.
Der Herr des Hauses (Vincent Leittersdorf) gibt sich als eine Art Professor Higgins aus der 68er Generation zu erkennen. Das Sakko standesgemäß zerknautscht, die ergrauten Strähnen über den Kragen gekämmt. Kein abstoßender Typ. Ein wenig gehemmt vielleicht, sein Smalltalk ist von der peinlichen Sorte und sein Blick schweift fahrig ins Leere. Aber eine gewisse Menschenscheu kommt in den besten Privatlehrerkreisen vor.
«Die ...
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Theater heute Januar 2012
Rubrik: Chronik, Seite 54
von Stephan Reuter
Eine Erinnerung, verschwommene Bilder, die Stimme des sich erinnernden Mediums aus dem Off, während die Vergangenheit in einer von unendlich vielen subjektiven Versionen in verschwimmenden Bildern wieder auflebt. Ein klassischer Filmmoment, der durch die Montage der Bilder und Töne im Kino erfahrbar wird. Und tatsächlich auch der magischste Moment des Mainzer...
Pläne der Redaktion:
Milo Raus Hate Radio
Jürgen Kuttner
Armin Petras China-Reise
Impressum
Die Theaterzeitschrift
im 53. Jahrgang
Gegründet von
Erhard Friedrich und Henning Rischbieter
Herausgeber
Friedrich Berlin Verlag
Redaktion
Eva Behrendt
Barbara Burckhardt
Franz Wille (V.i.S.d.P.)
Mitarbeit
Marion Schamuthe
Gestaltung
Christian Henjes
Designkonzept
Ludwig Wendt Art...
Die große Treppe im weiträumigen Braunfels-Bau in München ist ein gestuftes Foyer und normalerweise Aufstieg oder Pausenplatz für Museumsbesucher. Der Berliner Künstler Olaf Nicolai machte sie an zwölf Sonntagen zur Bühne, mehr noch zum Schnittpunkt zwischen Architektur, Performance und Musik. Die Feuilletonredaktionen waren irritiert, ob da der Musikkritiker oder...
