Mach et joot

Marie Zimmermann wurde 1955 in der Nähe von Aachen geboren, studierte Germanistik und kam 1985 zum Theater – als Pressedramaturgin in Esslingen. Dem dortigen Intendanten Friedrich Schirmer folgte sie beruflich und privat, zuerst nach Freiburg, dann nach Stuttgart, wo sie von 1993 bis 1996 geschäftsführende Drama­turgin war. Von 1997 bis 2000 leitete sie das Festival Theaterformen in Hannover und Braun­schweig, ab 2001 unter der Intendanz von Luc Bondy den Schauspielbereich der Wiener Festwochen. Ihre Arbeit dort unterbrach sie 2005 für ein Jahr, um mit großem Erfolg «Theater der Welt» in Stuttgart zu leiten. Von der Saison 2008 an hätte sie die Nachfolge von Jürgen Flimm als Intendan­tin der RuhrTriennale antreten sollen. Am 18. April hat Marie Zimmermann ihrem Leben ein Ende gesetzt.

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Hey, Professor, übernimm dich nicht, rief sie mir zuletzt am Telefon zu, ich brauch dich doch, und dann kicherte sie wie ein Backfisch, wie sie es so gerne tat; albern nannte sie mich Higgins und sich Eliza, als ob irgendjemand ihr noch irgendetwas hätte beibringen können. Wie immer dann rheinische Abschiedsgrüße: Mach et joot!

Nun also hat sie sich selber weggenommen.
Hat er Recht, wenn er singt:
I see my light come shining,
From the west into the east,
Any day now, any day now,
I shall be released.


Hat er nun Recht, unser Freund Dylan?

Sie kam daher wie der Wirbelwind und siegte stets; nicht nur bei uns im weiten Revier, im Schatten der Schlote, eroberte sie auch die sprödesten Herzen, wo immer ich ihr die Türen öffnen durfte. Niemand konnte ihr lange Widerstand leisten, dem witzigen Wirbelwind. Immer weiterzudenken, nie an die Stelle des Anfangs, wo wir vorher waren, zurückzukehren, beschrieb Hans-Heinrich Grosse-Brockhoff das Vergnügen, mit ihr zu diskutieren. Welche Freude, wenn sie auf einmal unvermutet auftauchte, den lächelnden Kopf durch die Tür steckte: Stör ich? Und setzte sich gleich und rauchte schnell eine und redete das Büro rappelvoll und dann stob sie wieder auf und davon: ...

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Theater heute Juni 2007
Rubrik: Nachruf, Seite 40
von Jürgen Flimm, Luc Bondy

Vergriffen
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